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B747-400 Frachter verlor Verkleidung vor MUC

 

01. Apr 2018 - 09:49 Uhr


Flugsicherheit

B747-400 Frachter verlor Verkleidung vor MUC

Das Frachtflugzeug befand sich um 07:48 Uhr von Frankfurt a.M. kommend im Endanflug auf den Verkehrsflughafen München. An Bord waren drei Personen: zwei Piloten und ein Flugzeugmechaniker. Gesteuert wurde das Flugzeug vom Piloten, der auf dem linken Flugzeugführersitz saß.

Der Anflug erfolgte auf die Landebahn 26R. In einer Entfernung von 12 km vor der Landebahnschwelle, als die Landklappen auf 30° ausfuhren, nahm die Crew nach eigenen Aussagen ein Geräusch wahr.


Identifikation


  • Art des Ereignisses: Störung
  • Datum: 19. Mai 2017
  • Ort: Wartenberg
  • Luftfahrzeug: Frachtflugzeug
  • Hersteller / Muster: Boeing Company / B747-400 F
  • Personenschaden: keine
  • Sachschaden: Luftfahrzeug leicht beschädigt
  • Drittschaden: keiner

Sachverhalt


Während des Landeanfluges löste sich an der rechten Tragfläche die Verkleidung des äußeren Landeklappenantriebs vom Flugzeug.


Ereignisse und weiterer Flugverlauf


Die angezeigte Anfluggeschwindigkeit (KIAS) betrug zu diesem Zeitpunkt 146 kt. Die Landung erfolgte ohne weitere Probleme auf der Landebahn 26R. Anschließend rollte das Flugzeug auf die Parkposition.


Angaben zu Personen


Der 61 Jahre alte verantwortliche Flugzeugführer war Inhaber einer am 04.08.2016 durch das Luftfahrt-Bundesamt nach Teil-FCL (Flight Crew Licensing) ausgestellten Lizenz für Verkehrsflugzeugführer (ATPL(A)). In der Lizenz waren die Berechtigungen zum Führen von Flugzeugen des Musters Boeing B747-400 als verantwortlicher Flugzeugführer (PIC) und für Flüge unter Instrumentenflugregeln (IR) eingetragen, mit einer Gültigkeit bis zum 31.07.2017. Er verfügte über ein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis Klasse 1, gültig bis zum 22.08.2017. Seine Gesamtflugerfahrung betrug nach Auskunft des Luftfahrtunternehmens 23.978 Stunden, davon entfielen 6.578 Stunden auf Boeing 747-400.


Der Copilot im Alter von 44 Jahren war Inhaber einer am 06.12.2012 durch die zivile Luftfahrtbehörde des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland nach Teil-FCL ausgestellten Lizenz für Verkehrsflugzeugführer (ATPL(A)). In der Lizenz waren die Berechtigungen zum Führen von Flugzeugen des Musters Boeing B747-400 und zum Fliegen nach Instrumentenflugregeln (IR) eingetragen. Die Berechtigungen waren bis zum 30.11.2017 gültig. Ein bis zum 03.05.2018 gültiges flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1 lag der BFU vor. Laut Auskunft des Luftfahrtunternehmens hatte der Copilot bis zum Zeitpunkt der Störung eine Erfahrung von 6.981 Gesamtflugstunden, davon 3.621 Flugstunden auf dem Muster Boeing B747-400.


Angaben zum Luftfahrzeug


Das Luftfahrzeugmuster B747-400F des Herstellers Boeing Company war ein Ganzmetall-Tiefdecker mit Einziehfahrwerk in Bugradanordnung. Angetrieben wurde das Flugzeug von vier Strahltriebwerken, Muster CF6-80C2B5F, des Herstellers General Electric. Die höchstzulässige Startmasse betrug 412.796 kg und die maximal zulässige Landemasse 296.195 kg. Das Flugzeug mit der Werknummer 32870 wurde im Jahr 2004 gebaut. Es hatte eine Gesamtbetriebszeit von 51.612 Stunden, bei der 7.609 Landungen durchgeführt wurden.


Das Flugzeug war im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland zum Verkehr zugelassen und wurde von einem britischen Luftfahrtunternehmen betrieben. Das Flugzeug wurde, nach Angaben des Luftfahrtunternehmens, am 22.04.2017 an das Unternehmen geliefert.


Bevor das Luftfahrtunternehmen das Flugzeug übernommen hatte wurde ein umfassendes Wartungsereignis (C-Check) durchgeführt. Während dieser Arbeiten wurde zu Kontroll- und Wartungsarbeiten an der rechten Tragfläche auch die Verkleidung des äußeren Landeklappenantriebs (Nr. 8) entfernt und wieder montiert. Dieses wurde durch Job-Cards dokumentiert.


Meteorologische Informationen


Die Routinewettermeldung (METAR) von München von 05:20 UTC beschrieb folgende Wetterverhältnisse:


  • Wind: 270°/ 6 kt
  • Sicht: größer als 10 km
  • Bewölkung: keine Wolken unter 5 000 ft (CAVOK)
  • Temperatur: 15 °C
  • Taupunkt: 13 °C
  • Luftdruck (QNH): 1.009 hPa

Navigationshilfen


Der Flug wurde nach Instrumentenflugregeln (IFR) durchgeführt. Die Landung in München auf der Landebahn 26R erfolgte mithilfe des Instrumentenlandesystems (ILS).


Angaben zum Flugplatz


Der Verkehrsflughafen München verfügte über zwei parallele Start- und Landebahnen mit einem Belag aus Beton. Beide Bahnen hatten die Ausrichtungen 082°/262° und jeweils eine Länge von 4.000 Metern und eine Breite von 60 Metern.


Flugdatenaufzeichnung


An Bord des Flugzeuges waren ein Flugdatenschreiber (FDR) und ein Cockpit Voice Recorder (CVR) jeweils von der Firma L-3COM, Typ FA 2100 verbaut. Die Rekorder standen der BFU zur Auswertung zur Verfügung.


Unfallstelle und Feststellungen am Luftfahrzeug


Nach dem Abstellen des Flugzeugs auf dem Vorfeld wurde festgestellt, dass an der rechten Tragfläche die Verkleidung des äußeren Landeklappenantriebs (Nr. 8) fehlte. Im Umfeld der Führungsschiene der Landeklappe waren einige Halter und Verbindungsstäbe gebrochen bzw. verbogen (siehe Titelbild). Die hintere Landeklappe war an der Unterseite im Bereich des rechten, äußeren Klappenantriebs leicht eingedrückt.


In der Nähe der Ortschaft Wartenberg (ca. zwei km südwestlich) wurde eine Verkleidung, die von einem Flugzeug stammt, auf einer Wiese gefunden (Titelbild: Fundort der Verkleidung des Landeklappenantriebs, und Abb. 2: Äußerer Landklappenantrieb- und schiene der rechten Tragfläche). Der Fundort befand sich ca. 12 km östlich der Schwelle der Landebahn 26R im Bereich der Anfluglinie.


Nach Bergung und Transport zum Flughafen München bestätigte sich, dass es sich bei der gefundenen Verkleidung um die am Flugzeug Fehlende handelte. Die beiden Bolzendurchführungen der vorderen Befestigungspunkte (Abb. 3: Vordere Befestigung der Verkleidung; rote Kreise) wiesen sowohl auf der Seite der Klappenführungsschiene als auch auf der Verkleidungsseite Kratz- und Reibspuren auf (Abb. 4: Vordere Befestigungspunkte an der Klappenführungsschiene; Abb. 5: Vordere Befestigungspunkte an der Verkleidung). Beide Bolzenverschraubungen fehlten. Die Bolzen wurden weder in der Peripherie des Landklappenantriebs noch am Fundort der Verkleidung entdeckt.


An der hinteren Mimik des Verkleidungsausfahrmechanismus war die Halterung (Support Fitting) fast 180° verdreht und eingerissen, die Aufnahme für den Haltebolzen war gewaltsam ausgerissen (Abb. 6: Hintere Befestigungspunkte (rot eingekreist)). Der Bolzen befand sich in der tragflächenseitigen Halterung. Die Bolzenaufnahme der Strebe (Adjustable Rod) war an der tragflächenseitigen Halterung abgerissen. Dieser Bolzen befand sich im Befestigungsauge der Adjustable Rod.


Brand


Es entstand kein Brand.


Zusätzliche Informationen


Zu Verlusten von Verkleidungen der Landeklappenantriebe hat der Hersteller das Fleet Team Digest 747-FTD-27-10001 sowie die Service Letter 747-SL-27-199-A und 747 SL-27-66-D herausgegeben. In diesen Dokumenten werden mögliche Ursachen beschrieben, die zum Verlust von Verkleidungen führen können und die zu ergreifenden Maßnahmen, die Abhilfe schaffen können. Der Untersuchungsbericht wurde an dieser Stelle summarisch abgeschlossen, d.h. ausschließlich mit Darstellung der Fakten.


Alle angegebenen Zeiten, soweit nicht anders bezeichnet, in Ortszeit. Quelle und Bilder, wenn nicht anders angegeben: BFU.


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