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Aerospace Summit: High-Tech-Branche vor Wandel

 

16. Apr 2018 - 17:34 Uhr


Wirtschaft

Aerospace Summit: High-Tech-Branche vor Wandel

Die Aerospace-Industrie befindet sich in einem erheblichen Umbruch. Davon sind alle wesentlichen Bereiche betroffen: die Technologie und Innovation, die Kostenstrukturen der Anbieter, der gesellschaftliche Wandel und Anspruch der Kunden sowie die Perspektive der Mitarbeiter in den Unternehmen.


Franz-Josef Pohle, Geschäftsführer von maexpartners, sagte zum jetzt jährlich stattfindenen Munich Aerospace Summit. "Dieser exklusive Branchen-Gipfel soll einen intensiven Erfahrungsaustausch bieten, der dazu beiträgt, den ganzheitlichen Überblick in der Transformation der Luft- und Raumfahrt zu behalten und sich daran erfolgreich zu orientieren." Und das Angebot komme offensichtlich gut an.


Der Einladung von TUM International (Technische Universität München), dem Forschungs-, Entwicklungs- und Ausbildungszentrum Munich Aerospace und der Unternehmensberatung maexpartners zum ersten Munich Aerospace Summit am 11. April folgten rund 80 geladene Gäste aus Industrie, Wissenschaft und Beratung. Sie informierten sich und diskutierten mit hochkarätigen Referenten über die zu meisternden Herausforderungen. Diese sind Pohle zufolge beträchtlich.


Aeronautik vor Veränderungen


So müsse der Aerospace-Sektor die Zunahme des weltweiten Flugverkehrs, den Wunsch nach individuellem Luftverkehr und die steigenden Anforderungen an Logistik und Infrastruktur bewältigen. Zudem gelte es, diese Aspekte in Einklang mit der Umweltverträglichkeit, insbesondere der Reduzierung des CO2-Ausstoßes, der Stickstoff-Emissionen und des Fluglärms zu bringen. Dabei ginge es zum Beispiel um neue Antriebsformen und innovative Technologien. Zudem spiele die Digitalisierung in allen Bereichen eine herausragende Rolle.


Inhaltliche und strukturelle Änderungen sieht auch Prof. Dr. Wolfgang A. Herrmann, Präsident der nun 150 Jahre alten Technischen Universität München, als Erfolgsfaktor. Insofern ist auch die Forschung der Hochschule auf die aktuellen Herausforderungen ausgerichtet. Sie beschäftigt sich zum Beispiel mit Green Aerospace, Public Security, autonomen und integrierten Systemen. Dabei gelte es, gewohntes Denken zu überwinden und immer wieder auch Risiken einzugehen. Der Ludwig Bölkow Campus, auf dem die Veranstaltung stattfand, ist für Prof. Dr. Ing. Klaus Drechsler, Vorstand bei Munich Aerospace, der geeignete Ort dafür. Denn dieser sei ein internationaler Leuchtturm, der Besucher aus der ganzen Welt anlockt. Zudem gebe es hier eine Keimzelle für eine neue Denkweise.


SpaceX als Erfolgsbeispiel


Welche Faktoren für den Innovations-Erfolg von Aerospace-Unternehmen und auch bei der Lösung dieser Aufgaben entscheidend sind, berichtete Torsten Pilz, Vice President Operations/Supply Chain bei SpaceX. So seien Fertigungssysteme, eine agile Supply Chain und das Concurrent Engineering zielführend, aber nicht minder der Führungsstil in einem Unternehmen maßgeblich. Insbesondere komme es auf die Werte und die Kultur an. Bei SpaceX stehe zum Beispiel das Erreichen der Mission im Vordergrund, die Menschheit zu einer interplanetarischen Spezies zu machen.


Die Entwicklung des 2002 und damit vor dem Automobilkonzern Tesla von Elon Musk gegründeten Unternehmens sprechen Pilz zufolge für sich. So hat SpaceX mit heute etwa 6.000 Mitarbeitern inzwischen 51 Weltraum-Missionen erfolgreich abgeschlossen. Davon sind 23 Booster der "Falcon 9"-Rakete erfolgreich gelandet worden und elf bereits mindestens einmal wiederverwendet worden. Mit der "Falcon Heavy" habe man die mit einem Faktor 2 gegenwärtig stärkste operative Rakete präsentiert. Ein wichtiges Ziel sei die Wiederverwendbarkeit. So erwartet SpaceX, dass die "Falcon 9"-Rakete ohne Überholung bis zu zehnmal wiederverwendet werden kann und zukünftig mit moderater Aufbereitung für 100 Flüge zur Verfügung steht. Im Jahr 2022 werde es zum ersten Mal die Gelegenheit geben, einen Frachttransport zum Mars zu starten. SpaceX werde dazu die nächste Raketengeneration "BFR" vorstellen. Zwei Jahre später könnte die erste bemannte Rakete die Reise zu diesem Planeten aufnehmen.


Gesellschaftliche Aufgaben als Treiber der Entwicklung


"Die Luftfahrt weckt mehr als jede andere Branche die Faszination der Menschen", betonte auch Univ.-Prof. Dr. Marion Weissenberger-Eibl, Leiterin des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und Inhaberin der Lehrstuhls Innovations- und Technologie-Management (iTM) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Doch zugleich gebe es durchaus kritische Stimmen in der Gesellschaft, etwa was ökologische Aspekte betrifft.


Insofern sei ein neuer Fokus bei der Aviation-Innovation gefragt, der die Herausforderungen der Welt, wie das Klima, die Urbanisierung und alternde Gesellschaft berücksichtigt. Während früher das Streben nach Kapazität und Reichweite vorherrschte, gelte es heute, Lösungen für die Bereiche Security, CO2-Reduktion und Autonomes Fliegen zu finden. Die Wissenschaftlerin hält dabei einen neuen Ansatz für erforderlich, nachdem sich Innovation an der Mission und nicht nur der technologischen Entwicklung orientiert. "Dabei sehe ich Start-ups als klare Ideengeber und empfehle ihnen eine Zusammenarbeit mit den großen Unternehmen der Branche."


Die Lösung gesellschaftlicher Aufgaben sieht auch Prof. Dr. Mirko Hornung, Vorstand Wissenschaft und Technik beim Bauhaus Luftfahrt, als wesentlichen Treiber. So erforderten beispielsweise die Urbanisierung sowie die wachsende Bevölkerung und Wirtschaftsleistung neue Ansätze. Etwa den Luftverkehr on-demand, bei dem Passagiere unabhängig von der Airline das nächstverfügbare Flugzeug nehmen. Da dann weniger Maschinen nötig werden, könne das eine Kostenreduzierung von 15 bis 25 Prozent bewirken. Bei der Lösung von Umweltproblemen wie Lärm und Verschmutzung sieht Hornung große Potenziale in der Elektrifizierung und Hybridisierung. Darüber hinaus könne eine verbesserte innerstädtische Mobilität den Flugzeugbetrieb unterstützen. Mit deren Verkauf könnten neue Geschäfte entstehen und generiert werden.


Um neue Strategien ging es auch in drei interaktiven Breakout Sessions, in denen die Summit-Teilnehmer gemeinsam weitere Ideen entwickelten und diskutierten. Dr. Lars Schwabe, Associate Director bei Lufthansa Industry Solutions, führte durch das Thema "Artificial Intelligence und Blockchain als Enabler für neue Geschäftsmodelle". In einer zweiten Session moderierte Thorsten Gröne, Managing Director & Co-Founder von Cevotec, das Thema "Neue Technologien für effiziente CFK-Fertigung in der Luftfahrt – Herausforderungen & Chancen für Start-ups". Und in einer dritten parallel laufenden Runde drehte sich alles um "Neue Formen der Organisation als Rückgrat des Wandels", geleitet von Michel Zarka, CEO bei Theano, einer französischen Beratungsgesellschaft, die eng mit dem Mitveranstalter maexpartners kooperiert.


Herausforderungen für Airbus und SpaceX


Welchen Weg zwei erfolgreiche Unternehmen einschlagen, erfuhren die Gäste bei einem weiteren Highlight des Munich Aerospace Summit: Beim abendlichen Kamingespräch diskutierten Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space, und SpaceX-Vice President Torsten Pilz. Sie vertraten mit Bravour Airbus-Chef Dr. Tom Enders und die bayerische Staatsministerin Ilse Aigner, die beide kurzfristig absagen mussten.


Hoke sieht die digitale Transformation als eine große Herausforderung, die nicht unbedingt in der DNA seines Unternehmens liegt und weiterhin viel Überzeugungsarbeit erfordert. Bei SpaceX haben Pilz zufolge die überwiegend jungen Mitarbeiter eine durchgehend digitale Affinität. Hier gehe es vor allem um Agilität, Schnelligkeit, neue Ansätze für Problemlösungen, Risikobereitschaft und bei dem kontinuierlichen Wachstum um das Aufrechterhalten dieser Firmenkultur.


Talente in Kalifornien


Beide Unternehmen stehen vor der großen Aufgabe der Industrialisierung von kleineren Kommunikations-Satelliten in hoher Stückzahl. Während Airbus davon in einer ersten Tranche 900 herstellen und ins All senden wolle, seien das bei SpaceX deutlich mehr in den nächsten Jahren. Diese sollen eine neue Generation für den Datenempfang und damit den Aufbau eines Breitbandnetzes ermöglichen. "Eine neue spannende Zeit der Raumfahrt steht bevor, auf die ich mich sehr freue", betont Pilz.


Für den Erfolg der beiden Unternehmen wichtig sei auch die erfolgreiche Rekrutierung von Talenten. Für Airbus Defence and Space ist Hoke zufolge dafür der Standort München von großer Bedeutung. Für SpaceX sei Kalifornien der Talent-Pool schlechthin. Gleichwohl kann sich Pilz vorstellen, Teams im Bereich Supply Chain auch in Europa und eventuell in Deutschland aufzubauen.


Munich Aerospace Award geht an Rainer Matthias Rieck Passend zu diesen Überlegungen ist die Preisverleihung des von maexpartners gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten Munich Aerospace Award. Rainer Matthias Rieck erhält den Preis für seine anwendungsorientierte Dissertation mit dem Titel "Diskrete Steuerungen und Nebenbedingungen in Optimalsteuerungsproblemen". In seiner mit Auszeichnung abgeschlossenen Doktorarbeit präsentiert der junge Wissenschaftler hocheffizient gestaltete Algorithmen und ein exzellentes Software-Engineering. Für maexpartners-Geschäftsführer Pohle "gehen von dieser Arbeit genauso wichtige Impulse aus wie von den Beiträgen des ersten Munich Aerospace Summit für die Luft- und Raumfahrt".


Auf den Fotos


Franz-Josef Pohle, Geschäftsführer von maexpartners, eröffnet den ersten Munich Aerospace Summit; Torsten Pilz, Vice President Operations/Supply Chain bei SpaceX, und Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space, diskutieren in einem von Volker Thum, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, moderierten Kamingespräch (v.l.n.r.); Rainer Matthias Rieck nimmt den von maexpartners gestifteten und mit 10.000 Euro dotierten ersten Munich Aerospace Award von Prof. Dr.-Ing. Klaus Drechsler, Vorstand Munich Aerospace, maexpartners-Geschäftsführer Franz-Josef Pohle und Prof. Dr.-Ing. Günther W. Hein, Vorstand Munich Aerospace (v.l.n.r.) entgegen.


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