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Remote Tower Control in Saarbrücken im Regelbetrieb

 

04. Dez 2018 - 14:46 Uhr


Zivile Luftfahrt

Remote Tower Control in Saarbrücken im Regelbetrieb

Die Fluglotsen der DFS Deutsche Flugsicherung GmbH kontrollieren vom 04. Dezember an den Verkehr am internationalen Flughafen Saarbrücken von Leipzig aus: Dort hat die DFS ihr Remote Tower Control Center in Betrieb genommen.


Saarbrücken ist der weltweit größte Airport, der im täglichen Betrieb aus der Ferne überwacht wird. Nach einer vierwöchigen Einführungsphase wird Remote Tower Control in den Regelbetrieb überführt. In den nächsten Jahren will die DFS die neue Technik auch an den Flughäfen Erfurt und Dresden einführen.


Lotsen in Leipzig


Die Lotsen, die den Flugverkehr in Saarbrücken-Ensheim kontrollieren, sitzen von heute an nicht mehr im Tower des Flughafens – sondern rund 450 Kilometer entfernt in Leipzig. Dort befindet sich das Remote Tower Control Center, das die DFS in ihrer Niederlassung am Flughafen Leipzig eingerichtet hat. Mit Hilfe hochauflösender Video- und Infrarotkameras haben die Lotsen immer einen Überblick über den Verkehr in der Luft und am Boden. Auch ohne den Blick aus dem Tower haben die Fluglotsen an ihrem neuen Arbeitsplatz den Verkehr in Saarbrücken im Blick.


Ein Verbund aus Video- und Infrarotkameras liefert ihnen permanent ein 360-Grad-Bild des Flughafens. Das Panoramabild wird auf einer Monitorreihe über dem Arbeitsplatz dargestellt; den Bildausschnitt können die Lotsen frei wählen. Außerdem wurden schwenk- und neigbare Video- und Infrarotkameras in Saarbrücken installiert, mit denen sich Details heranzoomen lassen. Zur Ausstattung gehören auch statische Kameras zur Vorfeldüberwachung.


Infrarot ermögicht bessere Sicht


Durch die Infrarottechnik haben die Fluglotsen eine deutlich verbesserte Sicht, vor allem bei schlechtem Wetter oder Dunkelheit. Zusätzlich unterstützt das Remote-Tower-Control-System die Lotsen bei ihrer Arbeit: Es erkennt Bewegungen automatisch und hebt Flugzeuge in der Luft wie am Boden, aber auch Fahrzeuge auf den Monitoren hervor. Die startenden und landenden Flugzeuge lassen sich mit den beweglichen Kameras manuell oder automatisch verfolgen. Aus Sicherheitsgründen sind alle optischen Funktionen redundant ausgelegt. Die Kameras sind in einem beheizbaren Gehäuse untergebracht und verfügen über eine automatische Reinigungsfunktion. Sie wurden auf einem Kameraturm in Sichtweite des alten Towers installiert.


"Unser Remote-Tower-Control-System steht für Innovation und ist ein Beispiel für den Einsatz neuer digitaler Technologien im Bereich Luftverkehr", sagt Prof. Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der DFS-Geschäftsführung. "Damit verbessern wir unsere Effizienz und erfüllen unverändert die hohen DFS-Sicherheitsanforderungen." Das von der DFS entwickelte System ist weltweit einzigartig. "Damit etablieren wir einen neuen Standard in der Remote-Tower-Technologie."


Dass Fluglotsen keinen direkten Sichtkontakt zu den Flugzeugen haben, die sie kontrollieren, ist außerhalb des Towers längst üblich. Die DFS überwacht den Flugverkehr im deutschen Luftraum in vier großen Kontrollzentralen in Langen, Bremen, München und Karlsruhe. "Dass wir nun auch die Starts und Landungen an den Flughäfen aus der Ferne kontrollieren, ist der logische nächste Schritt", sagt Prof. Scheurle. Mit der Einführung der Remote-Tower-Technologie an deutschen Verkehrsflughäfen sollen unter Beibehaltung des hohen Sicherheitsniveaus Kosten eingespart sowie die Flexibilität des Lotseneinsatzes erhöht werden. "Bislang waren Remote-Tower-Lösungen nur an sehr kleinen Flughäfen mit geringem Flugverkehrsaufkommen eine Option", sagt Prof. Scheurle. "Mit unserem System sind wir nun erstmals in der Lage, einen internationalen Flughafen rund um die Uhr von einem entfernten Standort aus zu kontrollieren."


Zentralisierung der Lotsen für mehr Effizienz


Ihr Remote-Tower-System hat die DFS gemeinsam mit dem österreichischen Technologieunternehmen Frequentis entwickelt; die Video- und Infrarotsensoren stammen vom deutschen Konzern Rheinmetall Defence Electronics. Insgesamt nahm die Entwicklung vier Jahre in Anspruch. Für die nationale und internationale Vermarktung des DFS-Remote-Tower-Systems haben die DFS-Tochter DFS Aviation Services GmbH und Frequentis das gemeinsame Tochterunternehmen Frequentis DFS Aerosense GmbH gegründet.


Insgesamt sind zehn Saarbrücker Lotsen nach Leipzig gewechselt. In den nächsten Jahren will die DFS auch die Kontrolle der Flughäfen Erfurt und Dresden nach Leipzig verlagern. Durch eine entsprechende Ausbildung sollen die Fluglotsen die Berechtigung nicht nur für einen, sondern Schritt für Schritt für alle drei Flughäfen erwerben. Dadurch kann die DFS ihr Personal effizienter einsetzen und auf Veränderungen flexibler reagieren. Außerdem sinkt der Aufwand für die Inbetriebhaltung von Gebäuden und der dazugehörigen Infrastruktur. So wäre am Flughafen Saarbrücken der Neubau eines Kontrollturms notwendig gewesen, auf den die DFS nun verzichten kann.


Ein Regionalflugzeug der Fluggesellschaft Luxair war das erste Flugzeug, dessen Landung im Remote Tower Control Center der DFS kontrolliert wurde. Die Maschine vom Typ Bombardier DHC 8-400 kam aus Luxemburg und setzte am 4. Dezember um 6.51 Uhr auf der Landebahn in Saarbrücken auf. Ein Regionalflugzeug derselben Airline war um 6.53 Uhr die erste Maschine, die ihre Startfreigabe aus Leipzig erhielt. Das Flugzeug vom Typ Bombardier CRJ 700 startete planmäßig in Saarbrücken und nahm Kurs auf den Flughafen Berlin-Tegel. Die letzte Maschine, die vom alten Tower aus kontrolliert wurde, startete am 3. Dezember um 22.01 Uhr. Ziel des Luxair-Fluges war Luxemburg.


Auch wenn die Kontrolle des Flugverkehrs in Saarbrücken nach Leipzig verlagert worden ist, bleibt der Tower zunächst weiter betriebsbereit. Nach dem Abschluss einer vierwöchigen Einführungsphase wird die DFS mit ihrem Remote-Tower-Control-System in den Regelbetrieb übergehen.


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