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Radar-Experten in Deutschland zur Wissens-Verknüpfung

 

24. Okt 2019 - 13:08 Uhr


Info und News

Radar-Experten in Deutschland zur Wissens-Verknüpfung

Die deutschen Satellitenmissionen TerraSAR-X und TanDEM-X liefern seit 2007 und 2010 einzigartige Erdbeobachtungsdaten, aus denen vielseitige Erkenntnisse über unsere Umwelt und ihre Veränderungen gewonnen werden können. Essenziell, da sich unsere Umwelt seit Beginn der Industrialisierung rasanter verändert als zuvor.


Wissenschaftliche Nutzer aus der ganzen Welt sind am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen zusammengekommen, um im Rahmen des "TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meetings" die aus den Daten gewonnenen Ergebnisse auszutauschen und Anforderungen an künftige Fernerkundungstechnologien zu formulieren.


Deutsches Satelliten-Tandem einzigartig


In mehr als 100 Präsentationen offenbart sich vom 21. bis 24. Oktober 2019 der neueste Stand der Forschung. Begleitend dazu stellt der TanDEM-X-Blog Vorträge aus dem "Science Meeting" vor und skizziert, in welcher Weise die Daten der zwei Radarmissionen Forscher weltweit unterstützen.


"Die Teilnahme von mehr als 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 40 Ländern ist ein Beleg für das große Interesse an den Daten beider Satellitenmissionen. Auch wenn heute mehr als 25 Radarsatelliten im Einsatz sind, ist nur TanDEM-X mit seinem einzigartigen Formationsflug in der Lage, Bilder in 3D und in hoher Auflösung zur Verfügung zu stellen", sagt Prof. Dr.-Ing. Alberto Moreira, Direktor des DLR-Institutes für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme und Principal Investigator der TanDEM-X-Mission.


Anwendungen in der Forschung


Radarsensoren haben für die Erdbeobachtung besondere Bedeutung, da sie unabhängig vom Wetter und zu jeder Tages- oder Nachtzeit Aufnahmen liefern. Vom Weltall aus können sie große Gebiete, mehr als hundert Kilometer lang, erfassen. Die zivilen Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X sind aktuell noch im Betrieb und könnten noch mehrere Jahre für die Forschung genutzt werden.


Internationale Forschungseinrichungen und Organisationen verwenden die bisherigen Daten, um beispielsweise Naturgefahren wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis zu analysieren. "Hochauflösende und langfristige Datenerfassungspläne sind unerlässlich, um Vulkangefahren zu untersuchen und damit zu einem verbesserten Frühwarnsystem beizutragen", erklärt Dr. Thomas Walter vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ).


Tsunami: Was passiert im Vulkan?


Am 22. Dezember 2018 traf ein heftiger Tsunami die indonesische Vulkaninsel Krakatau, der Hunderte von Menschen tötete und die Küstenregionen von Java und Sumatra verwüstete. Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen und der intensiven Vulkanaktivitäten waren direkte Einblicke in den Vulkan nicht möglich und die Einzelheiten unklar. Die TerraSAR-X-Radaraugen haben in dieser Situation dazu beigetragen, die tiefgreifenden Veränderungen durch die Katastrophe von Anak Krakatau 2018 besser zu verstehen.


Der Zusammenbruch des Vulkans wurde auch durch unabhängige seismische und Infraschalldaten beobachtet, doch erst die TerraSAR-X-Daten lieferten die nötige Auflösung. So war es den Wissenschaftlern anhand der Radardaten möglich, morphologische Details des Zusammenbruchs auszuwerten, eine Zunahme des Inselumfangs in anderen Teilen nachzuvollziehen und das Gebiet nach dem Absetzen des neuen vulkanischen Materials zu untersuchen.


Gletscherchmelze genau vermessen


Der Blick aus dem All kann auch sehr genaue Auskünfte über die Veränderungen von Gletschern und Eisschilden geben. Die teils drastischen Entwicklungen müssen regelmäßig beobachtet werden und sind im Zusammenhang der globalen Erderwärmung zu sehen. Einen wahren Datenschatz liefert hier das TanDEM-X-Höhenmodell – noch nie zuvor wurden Grönland und die Antarktis umfassend und mit so hoher Genauigkeit vermessen.


Grönlands schnellster Gletscher, Jakobshavn Isbrae, produziert das größte Volumen an Eisbergen der nördlichen Hemisphäre. In den letzten zwei Jahrzehnten hat dieser Gletscher seine Geschwindigkeit mehr als verdoppelt, so dass er allein in den Jahren 2000 bis 2010 den Meeresspiegel um einen Millimeter erhöht hat. Die Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X begannen 2009 mit der intensiven Überwachung dieses Gletschers und zeigten die enormen und unerwarteten Geschwindigkeitsschwankungen (siehe Abbildung).


"Dieselben Prozesse, die zur jährlichen Variation beitragen, werden den Gletscher auch in Zukunft beschleunigen, da sich das Klima weiter erwärmt. Daher ist die langfristige Überwachung der Gletscher Grönlands und der Antarktis durch Fernerkundungssatelliten so wichtig, um zu verstehen, wie sich der Meeresspiegel auf die Küstengemeinden der Welt auswirken wird", erzählt Ian Joughin vom Polar Science Center des Applied Physics Lab von der University of Washington.


DRL und NASA: Methoden zu Kohlenstoffspeicher Wald verknüpft


Einen immanenten Einfluss auf das Klima haben die weltweiten Wälder, auch wenn das Ausmaß ihres Einflusses, wie in aktuellen Studien bemessen, umstritten ist. Sie stellen aber in jedem Falle einen der wichtigsten Kohlenstoffspeicher dar. Bei Veränderungen wie Abholzung oder Brandrodung kann es schnell zu einem Ungleichgewicht kommen. Wieviel Kohlenstoff gespeichtert wird, hängt unter anderem von der Baumhöhe ab. DLR- und NASA-Wissenschaftler arbeiten an der Erstellung einer einzigartigen globalen Waldhöhenkarte: Die NASA-Wissenschaftler arbeiten mit dem GEDI-System (Global Ecosystem Dynamics Investigation), das regional begrenzte aber sehr genaue Waldhöhendaten liefert.


Das DLR-Team erstellt die Waldhöheninformationen aus der TanDEM-X-Mission, die die Daten global aber in einer reduzierteren Genauigkeit liefern kann. Einzigartig ist die Verschneidung dieser beiden Datensätze zu einem hochgenauen globalen Waldhöhenprodukt. Beim "Science-Meeting" in Oberpfaffenhofen werden nun erste Ergebnisse dieser Kooperation gezeigt. "Das Wissen über die genauen Waldhöhen wird die regionalen und globalen Klimamodelle zur Prognose von freiem Kohlenstoffdioxid signifikant verbessert", erklärt DLR-Wissenschaftler Kostas Papathanassiou vom Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme.


Wälder in 3D: Tandem-L wird noch mehr sehen


Ziel der hochinnovativen Radarmission Tandem-L ist es, wichtige Umwelt- und Klimaparameter global und in hoher zeitlicher Auflösung zu erfassen: Alle acht Tage sollen zwei Radarsatelliten die Landmasse der Erde dreidimensional abbilden. Dadurch können dynamische Prozesse der Erde zeitnah und systematisch erfasst werden. Erdbebenforscher und Risikoanalysten wären in der Lage, Deformationen der Erdoberfläche millimetergenau zu verfolgen. Gletscherbewegungen und Schmelzprozesse in den Polarregionen könnten regelmäßig und dadurch noch genauer ermittelt werden. Die Erdbeobachtungsdaten der drei Radarsysteme sollen sich komplementär ergänzen.


Im Vergleich zu den beiden aktuellen Missionen wird Tandem-L mit einer längeren Wellenlänge betrieben. Mit der Wellenlänge von rund 24 Zentimeter kann die Vegetation durchdrungen werden, so dass die Flächenstrukturen des Untergrunds sichtbar werden. Dank neuer Technologien und Aufnahmeverfahren, wie der polarimetrischen SAR-Interferometrie, kann auch ein Wald dreidimensional kartiert werden. Hieraus werden dann die Waldhöhen berechnet und die Biomasse indirekt abgeschätzt – auf globaler Ebene ist dies bisher nicht möglich.


Wissenschaftler unterschiedlicher Helmholtz-Zentren, die an den Vorstudien der Mission beteiligt sind, stellen nun ihre Ergebnisse in Oberpfaffenhofen vor und erörtern, welche tragende Rolle Tandem-L zur Beantwortung von umweltrelevanten Herausforderungen spielen kann. Mit dem "TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meeting" steht den insgesamt 250 internationalen Teilnehmern eine Plattform zur Verfügung, den gemeinsamen Forschungsbedarf zu identifizieren und die Zukunft der Erdbeobachtung einzuleiten.


Radardaten auf den Bildern


Krakatau Vulkan, Indonesien: Radarszenen, die nach dem Tsunami-Ereignis 2018 aufgenommen wurden (rechts), zeigen im Vergleich zu einem Bild aus dem Jahre 2007 (links) die tiefgreifenden morphologischen Veränderungen: Ein großer Teil der zentralen und südwestlichen Gebiete des Vulkans fehlt, was auf einen sogenannten Flankenzusammenbruch hinweist.


Unter Beobachtung: Jakobshavn Isbrae, schnellster Gletscher Grönlands: Links die Eisflussgeschwindigkeit der letzten zehn Jahre an mehreren Stellen entlang des Hauptstammes des schnellsten grönländischen Gletschers Jakobshavn Isbrae. Rechts ein TerraSAR-X-Bild von Jakobshavn Isbrae, aufgenommen am 29. September 2019, an der durch den Einsatz gezeigten Stelle. Farbige Punkte zeigen die Positionen, an denen die aufgezeichneten Geschwindigkeiten gemessen wurden. Der Eisstrom ist so groß, dass ein Eispaket, das bei M20 beginnt, schließlich durch jeden der dargestellten Punkte fließt und schließlich M6 erreicht, von wo aus es einige Monate später als Eisberg abbricht.


Fusioniertes Waldhöhenprodukt (links): Das Beispiel zeigt ein Gebiet im tropischen Regenwald von Gabun, Afrika. Die bunten Flächen geben die Waldhöhe an, weiß sind offene, nicht mit Wald besetzte Flächen. Rechts ist ein Vergleich zwischen den erhobenen Waldhöhen von TanDEM-X und einem flugzeuggetragenen Demonstrator von GEDI zu sehen. Die Genauigkeit der Waldhöhenmessung liegt bei einem Meter.


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