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Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer jetzt abgeschaltet

 

31. Jan 2020 - 17:41 Uhr


Raumfahrt

Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer jetzt abgeschaltet

Nach mehr als 16 erfolgreichen Jahren hat die NASA ihr Infrarotteleskop im All aufgegeben. Spitzer war seinerzeit das leistungsfähigste Teleskop für Infrarotlicht, das im All eingesetzt wurde.


Um 17:30 Uhr unserer Zeit verkündete Joseph Hunt, Programmmanager für Spitzer bei der NASA, das offizielle Ende der Mission. Spitzer war 2003 gestartet worden und war eines der vier großen Observatorien der NASA im All, nebem dem Hubble Spacetelescope, dem Röntgenteleskop Chandra X-ray und dem Compton Gamma-Observatorium. Gerade die Teleskope für verschiedene Wellenlängenbereiche vervollständigen erst das Bild des Universums.


Infrarot-Astronomie lichtet den Blick


Zu den Beobachtungszielen gehörten in den 16 Jahren neben dem tiefen Universum in Staubwolken und ferne Galaxien auch unser Sonnensystem mit Kometen und Asteroiden, und auch bis dahin unbekannter weiterer Ring um den Saturn wurde entdeckt. Die Forschung zur Entwicklung von Galaxien und die Sternenentstehung werden noch lange von den gesammelten Daten des Auges profitieren, dessen Lied sich nun geschlossen hat. Ein besonderes Highlight ist dabei die Entdeckung des siebten erdengroßen Exoplaneten im System TRAPPIST-1, die größte Anzahl an terrestrischen Planeten, die überhaupt um einen einzelnen Stern gefunden wurde – und dies samt Charakerisierung von seiner Masse und Dichte.


Auf den Planeten aus TRAPPIST-1 wurden dafür über 1.000 Beobachtungsstunden aufgewandt. 2016 dann wurde gemeinsam mit Hubble die enfernteste, überhaupt bekannte Galaxie abgebildet. Alle Daten sind in der Spitzer-Datenbank frei zugänglich. Schon einmal wurde 2018 die Lebensdauer von Spitzer bis heute verlängert. Damals wollte man die Ressourcen für das neue James Webb Weltraumteleskop bündeln, das auch im Infrarotbereich sehen können wird. Doch für den Übergang nutzte man Spitzer dann doch noch länger, um die neuen Beobachtung besser vorzubereiten. Das James Webb Teleskop soll nächstes Jahr gestartet werden.


Spitzer ging schon länger das Helium aus


Spitzer war das empflindlichste Infrarotteleskop seiner Zeit. Zwar hatte die NASA schon vorherige Infrarotteleskope ins All geschossen, doch mit Spitzer gelang ein tieferer Blick und ins weitere Infrarot als bisher. Insbesondere die Feuchtigkeit der Erdatmosphäre schirmt Infrarot ab, was diese Erkenntnisse so nur vom All aus möglich macht. Dabei durchdringt Infrarot insbesondere Staub im All besser, was umgekehrt einen tieferen Blick ins Innere von Staubwolken und Sternentstehungsgebieten ermöglicht. Auch die Entschlüsselung der Atmosphären von Exoplaneten wurde so möglich. Hier zeigt die NASA einige besonders beeindruckende Bilder des Teleskops Spitzer.


Dabei kam die eigentliche Infrarotmission von Spitzer schon 2009 zu ihrem Ende. Denn um überhaupt Infrarotlicht – Wäremestrahlung – unverfälscht detektieren zu können, müssen die Messgeräte noch viel kälter als eiskalt sein. Kontinuierlich verdampfendes, flüssiges Helium an Bord wird genutzt, um so die Aufnahmetechnik, die beiden Sensoren Infrared Spectrograph (IRS) und Multiband Imaging Photometer for Spitzer (MIPS), herunterzukühlen. Jedoch ist der Vorrat an Helium nach sechs Jahren schon verbraucht gewesen. Die Hauptmission von Spitzer war da aber schon mit allen Zielen erfolgreich erfüllt. Seitdem wurde das Teleskop aber für andere Wellenlängenbereiche genutzt. Dazu wurden noch zwei Wellenlängenkanäle eines Dritten Instruments an Bord, der Infrared Array Camera (IRAC), eingeschaltet. So konnten die Techniker der NASA dem Teleskop nochmals über zehn Jahre wissenschaftliche Produktivität verschaffen.


Gebaut wurde Spitzer von Lockheed Martin in Sunnyvale, Kalifornien. Die Optik und das Temperaturmanagement kam von Ball Aerospace and Technologies Corporation in Boulder, Colorado, sowie in Zusammenarbeit mit der Cornell University das Instrument IRS und mit der University of Arizona das MIPS in Tucson. Die NASA baute im Goddard Space Flight Center in Greenbelt, Maryland, das Instrument IRAC unter der wissenschaftlichen Leitung des Harvard Smithsonian Astrophysics Observatory in Cambridge, Massachusetts. Gesteuert wurde die Raumsonde vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena.


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