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Flughäfen suchen Strategien durch die Krise

 

21. Mär 2020 - 11:17 Uhr


Wirtschaft

Flughäfen suchen Strategien durch die Krise

Die Anordnungen zur Verhinderung der Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus haben den Luftverkehr drastisch einbrechen lassen. Hier die Reaktionen einiger Flughäfen, um den behördlichen Verordnungen zu entsprechen und gleichzeitig die reduzierten Passagierzahlen betriebswirtschaftlich verträglicher und effizienter abzufertigen.


Die Corona-Pandemie hat dramatische Auswirkungen auf das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Deutschland und vielen Ländern der Welt. Besonders die Luftverkehrsbranche ist von den Auswirkungen betroffen, der Verkehr kommt nahezu zum Erliegen. Flughäfen Ein Ende der Krise ist derzeit aber noch nicht vorhersehbar.


Flughafen München


Ankommende Fluggäste sollen möglichst nicht am Airport abgeholt werden, sondern sich am besten direkt nach Hause begeben, um soziale Kontakte zu vermeiden. Der Flughafen München reagiert auf die erheblichen Verkehrsrückgänge infolge der weltweiten Reisebeschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus‘, indem in beiden Terminals Ressourcen für die Passagierabfertigung gebündelt werden. Um die Infrastruktur im Terminal 1 möglichst effizient zu nutzen, finden sämtliche Passagier- und Handgepäckkontrollen in diesem Abfertigungsgebäude ab sofort im Abflugbereich C statt.


Fluggäste im Terminal 1 checken zunächst wie gewohnt bei ihrer jeweiligen Airline in den Abflugbereichen A bis D ein. Zu ihrem Gate gelangen alle Reisenden anschließend über die Sicherheitskontrolle im Bereich C.


Satellitengebäude stillgelegt, Verlagerungen


Eine weitere Änderung bei der Abfertigung im Terminal 1 tritt am kommenden Montag, den 23. März, in Kraft. Dann werden alle Abfertigungsprozesse im Modul A eingestellt und auf die Bereiche B, C und D verlagert. Auch alle Ankünfte, die bis dahin im Bereich A stattfinden, werden ab Montag auf andere Bereiche im Terminal 1 verlagert.


Vom kommenden Dienstag an wird überdies das zum Terminal 2 gehörende Satellitengebäude (Gates J, K und L) bis auf weiteres nicht mehr für den Passagierverkehr genutzt. Sämtliche hier vorgesehenen Abflüge und Ankünfte werden dann über das Terminal 2 (Gates G und H) abgewickelt. Der Betrieb des Personentransportsystems zwischen dem Terminal 2 und dem Satellitengebäude wird vorübergehend ausgesetzt.


Münster-Osnabrück


Der Flughafen Münster/Osnabrück hat im Rahmen seines Krisenmanagements zur Schonung der Liquidität folgende Maßnahmen beschlossen:


  1. Für alle Bereiche des Flughafens ist rückwirkend zum 01. März Kurzarbeit beantragt worden. Diese Regelung betrifft nicht nur die operativen Einheiten, sondern auch die gesamte Verwaltung.
  2. Ab Dienstag, den 24. März, wird das Betriebsregime des Airports in der Form geändert, dass nur noch bereits koordinierte oder mit einem Vorlauf von vier Stunden angemeldete Flüge abgefertigt werden. Diese Maßnahme ermöglicht es, alle Vorhaltekosten zu reduzieren und nur noch die betriebsnotwendigen Aufgaben zu erledigen.
  3. Ebenso werden ab kommenden Dienstag die Terminalgebäude geschlossen. Die Abfertigung der verbleibenden Flüge erfolgt dann über den Bereich der allgemeinen Luftfahrt (GAT) am Tor 3b. Abfliegende Fluggäste werden gebeten, sich für Check-In und Sicherheitskontrolle dort einzufinden. Der Eingang befindet sich direkt am Radarturm links der Terminalgebäude.

Bodensee-Airport FDH ohne Betriebspflicht, mit Kurzarbeit


Auch der Bodensee-Airport sucht aufgrund der Coronakrise nach einer kompletten Flexibilisierung zum deutlich verminderten Verkehrsvolumen und meldet für den Großteil seiner Mitarbeiter Kurzarbeit an. Die für den Flughafen grundsätzlich gültige Betriebspflicht wurde vom Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg für den Zeitraum vom 20.03.2020 bis 30.04.2020 aufgehoben. Das bedeutet, dass der Flughafen nur geöffnet wird, wenn ein konkreter Bedarf angemeldet wird und die Flüge mit einer gewissen Vorlaufzeit genehmigt werden. Das Verfahren ist zwischen Flughafen und Flugsicherung abgestimmt.


Stuttgart: Ziel für deutsche Rückkehrer


Auch im internationalen Luftverkehr kommt es aufgrund der Corona-Pandemie zu erheblichen Beeinträchtigungen. Die Airlines haben ihr Angebot drastisch reduziert. Derzeit werden am Flughafen Stuttgart noch Rückholflüge durchgeführt, die es Menschen aus dem Ausland ermöglichen, ins Land zurückzukehren. Das Verkehrsaufkommen am Landesflughafen liegt derzeit bei etwa einem Drittel des sonst üblichen Verkehrs, mit weiter sinkender Tendenz. Walter Schoefer, Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH: "Wir befinden uns in einer noch nie dagewesenen Situation, die uns alle gemeinsam vor große Herausforderungen stellt. Bislang ist nicht absehbar, wie lange diese Durststrecke dauern wird. Die Situation zeigt uns auch, wie wichtig und selbstverständlich Mobilität für die Menschen geworden ist. Auch jetzt ist der Luftverkehr gefragt – um Baden-Württemberger aus aller Welt schnell zurück nach Hause zu holen."


Wie sich die Pandemie weiterentwickelt und welche weiteren Folgen sie nach sich zieht, ist unklar. "Wir haben in der Vergangenheit schon viele Krisen bewältigt. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern und unseren Partnern werden wir auch diese Situation überstehen.", so Schoefer. Am Landesflughafen konzentriere man sich neben dem verbliebenen Linienverkehr derzeit vor allem auf den Betrieb für Rückholflüge, Nachtluftpost, Fracht-, Militär- und Rettungsflüge.


Um Mitarbeiter und Reisende zu schützen, werden zum Transport der Fluggäste vom Flugzeug ins Terminal mehr Busse eingesetzt, damit der empfohlene Abstand zwischen einzelnen Personen eingehalten werden kann. Mit Informationen in den Passagierbussen und in den Terminals werden Ankommende und Besucher auf die aktuellen Einreisebestimmungen mit Blick auf häusliche Quarantäne und andere Auflagen hingewiesen. Wegen der Restriktionen der Behörden müssen Passagiere derzeit mit verstärkten Einreisekontrollen rechnen.


Um die Grundversorgung auf dem Flughafencampus sicherzustellen, bleiben einzelne Shops wie der Supermarkt und die Bäckerei in Terminal 3 weiterhin geöffnet. Die Besucherterrasse ist geschlossen, Airport-Führungen sind bis auf weiteres ausgesetzt, ebenso wie alle anderen Veranstaltungen am Flughafen. Am Stuttgart Airport Bus Terminal (SAB) wird der Fernbusverkehr sukzessive heruntergefahren. Aufgrund der Einreisebeschränkungen werden die Fernbuslinien von den Anbietern nach und nach ausgesetzt.


Fraport: Kurzarbeit an Deutschlands größtem Flughafen


Mit sofortiger Wirkung ist die gemeinsam von Vorstand und Betriebsrat unterzeichnete Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit gültig. Die Kurzarbeit ist zunächst bis Ende Mai beantragt worden. Mindestens 18.000 der rund 22.000 Beschäftigten der Fraport AG am Standort Frankfurt gehen in die Kurzarbeit. Der Umfang der Kurzarbeit wird individuell in Abhängigkeit des wegfallenden Arbeitsvolumens festgelegt und kann bis zu 100 Prozent Arbeitsausfall betragen. "Mit der Kurzarbeit sichern wir unsere Arbeitsplätze auch in Krisenzeiten. Es ist unser erklärtes Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden", sagte Fraport-Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Schulte.


Zusätzlich stockt Fraport für die betroffenen Beschäftigten freiwillig das Kurzarbeitergeld gestaffelt auf. Je nach Höhe der Arbeitszeitreduzierung werden mindestens 75 Prozent bis maximal 95 Prozent des Nettogehalts der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesichert. Eine betriebsbedingte Verlängerung der Kurzarbeit hängt von der weiteren Entwicklung ab und wird fortlaufend geprüft.


Landebahn Nordwest zum Abstellen der Flugzeuge


Mit zahlreichen Maßnahmen auf der Luft- wie Landseite reagiert die Fraport AG am Standort Frankfurt auf den starken Verkehrsrückgang: Im Bereich des Start- und Landebahnsystems wird ab Montag, dem 23. März um acht Uhr die Landebahn Nordwest inklusive der Rollwege und Rollbrücken temporär außer Betrieb genommen. Diese Bereiche stehen zum Abstellen von Luftfahrzeugen zur Verfügung.


In den Terminals sind bereits seit 12. März 2020 sukzessive Bereiche außer Betrieb gegangen, seit 16. März sind im Terminal 1 die Flugsteige A26 bis A40 außer Betrieb. Im Bereich C inkl. des CD-Riegels sind alle Gates temporär stillgelegt, ebenso Teile des Terminals 2. Die verbliebenen Terminalbereiche werden entsprechend der Nachfrage bedarfsgerecht genutzt und ggf. weiter reduziert. Es ist allerdings geplant, Teilbereiche sowohl im Terminal 1 als auch im Terminal 2 geöffnet zu halten. Daher fährt auch die Skyline-Verbindung zwischen Terminal 1 und Terminal 2 weiter, jedoch ohne Halt an der Station C.


Liquidität der Fraport AG sichergestellt


"Die Liquidität der Fraport AG ist nicht gefährdet. Mit unseren Maßnahmen steuern wir flexibel auf der Kostenseite gegen die betrieblichen Ausfälle. Weitere Maßnahmen im Bereich der Terminals und des Start- und Landebahnsystems werden kontinuierlich geprüft und bei Bedarf angepasst", sagte Schulte. "Eins ist aber auch klar: Wir werden den Flughafen offenhalten. Das gilt sowohl für die Rückkehrflüge der deutschen Urlauber aus aller Welt und die wichtigen Frachtverbindungen. Frankfurt ist gerade in Krisenzeiten wie diesen für die Versorgung mit lebenswichtigen Gütern und der Aufrechterhaltung der Lieferketten von zentraler Bedeutung für Deutschland. Die Abfertigung von Cargo-Flugzeugen ist nicht beeinträchtigt. Wir sorgen dafür, dass eine Versorgung der Menschen und der Wirtschaft in Deutschland aus der Luft sichergestellt ist", so Schulte.


Geschäfte der Grundversorgung geöffnet


Die Fraport Ausbau Süd GmbH ist nicht von den Kurzarbeiterregelungen der Fraport AG betroffen. Die hundertprozentige Tochter der Fraport AG steuert und verantwortet den Ausbau rund um das neue Terminal 3. Die Bauarbeiten laufen weiter. In den Terminals am Flughafen Frankfurt setzt Fraport auch innerhalb des Retailbereichs die Maßgaben von Bundes- und Landesregierung angesichts der Corona-Pandemie um. Davon ausgenommen sind – sowohl land- als auch luftseitig – lediglich Geschäfte und Dienstleister, deren Angebote die Grundversorgung der Passagiere und Beschäftigten sichern. Am Airport gehören dazu Gastronomiebetriebe, Geschäfte, in denen Reisebedarf verkauft wird, sowie Banken, Geldwechselschalter, Post und ähnliche Services. Alle anderen Shops sind weisungsgemäß geschlossen.


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