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Bodensee-Airport: Ziele nach 2019 und Corona

 

10. Jun 2020 - 20:40 Uhr


Wirtschaft

Bodensee-Airport: Ziele nach 2019 und Corona

Den Bodensee-Airport Friedrichshafen nutzten im Jahr 2019 insgesamt 489.921 Fluggäste. Aufgrund der unerwarteten Insolvenz der Fluggesellschaft Germania musste der Flughafen einen Rückgang der Passagierzahlen von 9,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2018 hinnehmen.


Neben der Insolvenz der Germania konnte auch die Turkish Airlines wegen des Groundings der Boeing 737 MAX das Flugprogramm nicht im geplanten Umfang durchführen. Dank der schnellen Reaktion des Flughafen Managements konnten insbesondere mit neuen Airlines, wie beispielsweise der Corendon Airlines, der SunExpress und Bulgarian Air Charter sowie der neuen Verbindung der Sun-Air nach Hamburg ein großer Teil der Flüge/Passagiere und damit des Umsatzverlustes kompensiert werden.


Während der temporären Schließung des Flughafens Memmingen wurde außerdem das gesamte Programm der Wizz Air erfolgreich in Friedrichshafen abgefertigt. Dadurch konnte der Passagierrückgang auf rund 51.000 Passagiere begrenzt werden, statt der minus 170.000 Passagiere, die Germania pro Jahr ausgemacht hätte.


Wirtschaftliche Entwicklung


Trotz der schlechten Marktbedingungen wurde beim Betriebsergebnis (EBITDA) des Bodensee-Airport die "Nullgrenze" im operativen Geschäft mit -76.000 Euro nur knapp verpasst. Das Jahresergebnis ist mit einem Fehlbetrag von rund 2,8 Mio. Euro durch die Insolvenz der Germania geprägt. Trotz einem Umsatzverlust aufgrund der Germania Insolvenz in Höhe von 2,9 Mio. Euro ist das Ergebnis nur 0,9 Mio. Euro schlechter als im Vorjahr. 1,2 Mio. Euro konnten über die kurzfristige Akquisition von Ersatzverkehren im touristischen Segment kompensiert werden.


Den restlichen Beitrag lieferten Einsparungen bei den Material- und Personalkosten sowie den Abschreibungen aufgrund geringerer Investitionen als im Vorjahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) belegt, dass der laufende Betrieb des Bodensee-Airport Friedrichshafen – im Gegensatz zu vielen anderen Regionalflughäfen – trotz ungeplanter Rückschläge weiter wirtschaftlich entwickelt werden kann. Der knapp negative Betrag ist Resultat der kurzfristig weggefallenen Einnahmen der Germania. Die Aktivitäten am Bodensee-Airport Friedrichshafen werden mit Nachdruck darauf ausgerichtet, dass alle Voraussetzungen am Flughafen erfüllt sind, wenn die EU bei negativen EBITDA-Ergebnissen ab 2024 keine Betriebsbeihilfen mehr zulässt.


Trotz der einschneidenden wirtschaftlichen Auswirkungen der Germania Insolvenz wurde die finanzielle Restrukturierung aus dem Jahr 2018 konsequent weiter verfolgt. Über Gesellschafterdarlehen wurden einerseits insgesamt rund 3,7 Mio. Euro Bankdarlehen getilgt als auch 1,1 Mio. Euro an Investitionen getätigt. Zu berücksichtigen ist außerdem, dass der Flughafen im Gegensatz zu 16 anderen Flughäfen in Deutschland die Flugsicherungskosten in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro selber zu tragen hat. Das stellt eine gravierende Belastung für das Jahresergebnis des Bodensee-Airport Friedrichshafen dar und ist auch im Wettbewerb mit anderen größeren Airports nachteilig.


Betriebsbereit zur COVID-19 Pandemie


Mit dem Ausbruch der Pandemie verursacht durch COVID-19 sind der Flugbetrieb sowie die geplanten Flugplanerweiterungen am Flughafen Friedrichshafen zum Erliegen gekommen. Auch hier hat die Geschäftsleitung umgehend gegengesteuert, um die Kosten auf ein Minimum zu senken. Kurzarbeit und die Einschränkung der Betriebsbereitschaft führen zu einer Reduktion des Personaleinsatzes und damit der Personalkosten. Der Flughafen war die gesamte Zeit betriebsbereit und stand für diverse medizinische und Versorgungsflüge zur Verfügung.


Die Aktivitäten sind darauf ausgerichtet, das Flugprogramm möglichst umgehend wieder zu starten. Dafür sind Lockerungen der Restriktionen bei Flügen ins Ausland Voraussetzung – d.h. Aufhebung der Reisewarnungen, der Quarantänebestimmungen und Einreisebeschränkungen. Der Flughafen hat sich auf die Wiederaufnahme des Flugverkehres mit diversen Maßnahmen vorbereitet. So werden an den Check-In Schaltern und Gates Einrichtungen zum Spuckschutz und Bodenmarkierungen zur Abstandeinhaltung installiert. Der Schutz von Passagieren und Mitarbeitern hat höchste Priorität.


Ziele zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs


Der Flugbetrieb wird nach derzeitigem Kenntnisstand in den kommenden Wochen sukzessive aufgenommen. Ab Ende Juni sind Flüge der Corendon nach Heraklion, Rhodos, Antalya und Hurghada geplant. Am 01. Juli wird auch die Lufthansa die Verbindung ins Drehkreuz Frankfurt wieder aufnehmen. Die Flüge sind entsprechend buchbar.


Für das Jahr 2021 wird eine langsame Rückkehr zum geplanten Passagieraufkommen 2020 angestrebt. Voraussichtlich wird dies erst im Jahr 2022 erreicht. Mit den bestehenden Fluggesellschaften sind die Planungsgespräche für die Nach-Corona Zeit bereits angelaufen. Zudem wird in enger Absprache mit den großen deutschen Veranstaltern nach einer Ausweitung der Ziele und der Flüge in touristische Länder mit den bekannten Ferienfluggesellschaften gesprochen.


Ein Highlight wurde mit Corendon Airlines bereits vereinbart und ist heute schon buchbar – ab dem Winterflugplan 2020/21 wird Corendon Airlines zusätzlich zu den Flügen nach Antalya und Hurghada zwei wöchentliche Flüge zu den kanarischen Inseln aufnehmen. Dabei handelt es sich um Fuerteventura und Las Palmas.


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