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EC145 beerbt BK 117 bei DRF Luftrettung in Dortmund

 

17. Jul 2020 - 19:35 Uhr


Info und News

EC145 beerbt BK 117 bei DRF Luftrettung in Dortmund

Der Rettungshubschrauber DRF Luftrettung in Dortmund besteht seit heute aus einem neuen Modell. Eine EC145 löst die BK 117 ab. Darüber hinaus wird "Christoph Dortmund" mit einem EpiShuttle, einer speziellen Isoliertrage, ausgestattet.

"Christoph Dortmund" leistet als Intensivtransporthubschrauber und auch in der Notfallrettung einen äußerst wichtigen Beitrag zur notfallmedizinischen Versorgung der Menschen in Nordrhein-Westfalen", betont Dr. Krystian Pracz, Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung.

Hubschrauber mir mehr Leistung beim Einsatz

Gerade für längere Patiententransporte zwischen Kliniken, die auch schon mal im europäischen Ausland liegen können, biete die Maschine vom Typ EC145 viele Vorteile im Vergleich zum bisher eingesetzten Muster BK 117. "Daher freuen wir uns, diesen neuen Hubschraubertyp auch in Dortmund in Dienst stellen zu können", fügt Dr. Krystian Pracz hinzu. "Für uns Piloten ist das neue Hubschraubermuster eine Arbeitserleichterung", erklärt Pilot und Stationsleiter Markus Sandmann, "der drei-Achsen-Autopilot und das digitale Glascockpit sorgen gerade auf längeren Flügen für Entlastung."

Mit 700 km hat die EC145 eine weitaus größere Reichweite und verbraucht bis zu zehn Prozent weniger Treibstoff. Die beiden Turbomeca Arriel 1E2 Triebwerke mit 738 PS je Triebwerk bringen die EC145 mit 254 km/h auf eine höhere Einsatzgeschwindigkeit als das bisherige Muster bei 240 km/h; außerdem bietet sie mehr Platz für die Patientenversorgung und durch eine optimierte Ergonomie bessere Arbeitsbedingungen für die medizinische Besatzung an Bord.

EpiShuttle für Covid-Patienten

Darüber hinaus wird die Ausstattung von "Christoph Dortmund" um ein EpiShuttle erweitert. Diese spezielle Isoliertrage hat verschiedene Luftfilter, schirmt damit den Patienten zu 100 Prozent von der Umgebung ab. Das bedeutet, die Einsatzcrews sind während des Transportes grundlegend vor Viren und Bakterien geschützt. So können sie sich besser auf die medizinische Versorgung des Patienten konzentrieren. Das EpiShuttle bietet optimale Sicherheit und durch die Zugriffsmöglichkeiten zahlreiche Behandlungsoptionen während des Transports. Außerdem entfällt eine aufwendige Desinfektion der Maschine, was dazu führt, dass die Crew einen weiteren Einsatz schneller übernehmen kann.

Mit der Anschaffung der EpiShuttle, über das mit Dortmund nun die elfte DRF Luftrettungsstation verfügt, hat die Organisation auch auf die Corona Pandemie reagiert. "Unsere Station in Dortmund ist die einzige Luftrettungsstation in NRW, die über ein EpiShuttle verfügt", ergänzt Dr. Krystian Pracz.

Medizinisch high-Tech ausgerüstet

Die Isoliertragen stehen auch nach der aktuellen Pandemie zur Verfügung und verbessern durch ihr erweitertes Einsatzspektrum nachhaltig das Gesundheitssystem. So können die EpiShuttles zukünftig bei anderen Infektionen, z.B. bei möglichen Influenzawellen, eingesetzt werden. Die medizinischen Besatzungen der Station wurden eingehend mit dem System vertraut gemacht, unter anderem durch ein umfangreiches Einsatzkonzept, das unterschiedlichste Szenarien berücksichtigt. Dadurch sind die Crews von "Christoph Dortmund" in der Lage, bei entsprechender Indikation, Transporte mit dem EpiShuttle nach höchsten Sicherheitsstandards durchzuführen. Die Kosten für ein EpiShuttle liegen derzeit bei 40.000 Euro.

Der hochmoderne Hubschrauber hat dabei allerhand medizinisches high-Tech dabei. Zum Mobilen Equipment gehören ein Notfallrucksack, spezielles Equipment für Kinder- und Säuglingsversorgung, Trauma- und Verbrennungsversorgung und intensiv-medizinische Maßnahmen; zur Diagnostik: ein Multifunktionsmonitor mit 12-Kanal-EKG inkl. EKG-Transmission, Blutdruckmessung (invasiv/nicht invasiv), Pulsoximetrie, Kapnographie, Temperaturmessung, Sonographie; zur Beatmung: Sauerstoffinhalator, Beatmungsbeutel mit Demandventil, portables Intensivtransport- und Notfallbeatmungsgerät, Option für nicht invasive Beatmungsformen, Absaugpumpen, Videolaryngoskop; für das häufige Indikakationsaufkommen Kreislauf: Biphasischer Defibrillator, externer Herzschrittmacher, vier bis sechs Spritzenpumpen, mechanische Reanimationshilfe; und schließlich zur Traumaversorgung: Vakuummatratze, Schaufeltrage, Patienten-Wärmesystem und vieles mehr.

Station Dortmund der DRF Luftrettung

Durch seine zentrale Stationierung in Nordrhein-Westfalen kann der Dortmunder Hubschrauber Kliniken in kurzer Anflugzeit erreichen. Das Dortmunder Team führt beispielsweise Inkubatortransporte und spezielle Impella-Transporte durch. Bei den Impella-Transporten handelt es sich um Flüge von Patienten mit schweren Herzerkrankungen unter Einsatz eines Herzunterstützungssystems. Um sicherzustellen, dass der mobilen Medizintechnik nicht der Strom an Bord ausgeht, kommt an Bord von "Christoph Dortmund" ein 230V-Inverter zum Einsatz. Dank dieses Spannungswandlers ist eine immerwährende Stromversorgung gewährleistet, die der Patientensicherheit dient: Neben 12-Volt-Anschlüssen steht damit während des Fluges eine redundante Stromversorgung zur Verfügung, die einen Ausfall dieser lebenswichtigen Geräte aufgrund mangelnder Akku-Kapazität verhindert.

"Christoph Dortmund" ist außerdem einer von bundesweit wenigen Hubschraubern, der Transporte mit einer mobilen Herz-Lungen-Maschine durchführen kann. Dazu hat die Station mit verschiedenen Unikliniken und Herzzentren in Nordrhein-Westfalen Transportkonzepte abgestimmt. Im Rahmen des Dual-Use-Konzeptes kann der Hubschrauber auch in der Notfallrettung eingesetzt werden. In diesen Fällen ist die Hubschrauberbesatzung innerhalb von zwei Minuten nach Alarmierung in der Luft.

Luftrettung in früherer Zeit

Zwischen 1989 und 2002 wurde die Station durch den Ambulanzflugdienst Westfalen betrieben. Der Flugbetrieb wurde durch verschiedene Hubschrauberbetreiber sichergestellt. Am 15. Juli 2012 übernahm die HSD Luftrettung gemeinnützige GmbH den Flugbetrieb, die auch seit Anfang 2003 den kompletten Stationsbetrieb sicherstellte. Im Jahr 2011 wurde das Stationsgebäude kernsaniert und um Funktions-, Büro-, Aufenthalts- und Ruheräume erweitert. Im Zuge der Aufschmelzung der HSD Luftrettung gemeinnützige GmbH wird die Station seit dem 01. Januar 2015 durch die DRF Stiftung Luftrettung gemeinnützige AG betrieben.

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