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Sternwartenflugzeug SOFIA: Boeing 747SP in Hamburg

 

02. Okt 2020 - 00:33 Uhr


Info und News

Sternwartenflugzeug SOFIA: Boeing 747SP in Hamburg

Hamburg hat wieder seltenen fliegerischen Besuch von einer Boeing 747SP. Das Sternwartenflugzeug SOFIA ist zur Inspektion bei Lufthansa Technik eingetroffen.


Für einen Routinecheck bei Lufthansa Technik ist die fliegende Sternwarte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA am 30. September 2020 um 19:17 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am Hamburg Airport gelandet. SOFIA (Stratosphären Observatorium für Infrarot-Astronomie) hat mal wieder einen "Boxenstopp" bei den Boeing-Spezialisten von Lufthansa.


Bei diesem so genannten C-Check, der etwa alle drei Jahre stattfindet, wird die Boeing 747SP auf Herz und Nieren geprüft. "Wir freuen uns auf die erneute Zusammenarbeit mit Lufthansa Technik", erklärt Heinz Hammes, SOFIA-Projektleiter im DLR Raumfahrtmanagement. "Die besonderen Umstände in diesem Jahr erfordern Kooperation und Flexibilität von allen Beteiligten. Wir sind davon überzeugt, für die anstehenden Aufgaben am richtigen Ort zu sein."


Forschungsinstrumente mögen`s eisig


SOFIA ist ein weltweit einzigartiges, fliegendes Observatorium, das den Weltraum im Infrarotbereich untersucht. So erforscht die Sternwarte etwa, wie sich Milchstraßensysteme entwickeln oder wie Sterne und Planetensysteme aus interstellaren Molekül- und Staubwolken entstanden sind. Möglich wird dies durch ein 17 Tonnen schweres, in Deutschland entwickeltes und gefertigtes Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 2,7 Metern. Es befindet sich im Rumpf, wofür sich in Flughöhe quasi ein Schiebedach im Flugzeug öffnet. Die Boeing ist auch besonders leistungsfähig, um diese Infrarotastronomie zu ermöglichen. SOFIA verfügt über sechs verschiedene wissenschaftliche Instrumente, von denen zwei aus Deutschland stammen.


Beim diesjährigen C-Check werden Motoren und Kabine inklusive Verkleidung und Fußböden demontiert. Dies ist notwendig, um anschließend die Test- und Wartungsarbeiten durchführen und sämtliche Verkabelungen sowie die Treibstoffleitungen überprüfen zu können. Zusätzlich erhält die Klimaanlage ein Upgrade. "Hierdurch wird es uns in Zukunft möglich sein, die Temperatur in der Kabine sehr fein zu justieren", erläutert Hammes. "Dies ist insbesondere in der Instrumentenzone wichtig, denn jedes Forschungsinstrument benötigt eine genau passende Umgebungstemperatur."


Ab Mitte Dezember sind dann die finalen Checks bei Lufthansa Technik – etwa für die Triebwerke und den Innendruck der Kabine – vorgesehen. Anfang Februar sollen die Wartungsarbeiten abgeschlossen sein und SOFIA für neue Wissenschaftsflüge zur Verfügung stehen.


Wartung auch am Teleskop


Aber auch das Teleskop, der deutsche Beitrag und das Herzstück des Observatoriums, wird während des Aufenthalts in Hamburg gründlich gewartet. Durchgeführt werden diese Arbeiten vom Deutschen SOFIA Institut (DSI) der Universität Stuttgart. Dabei werden vor allem komplexere Arbeiten vorgenommen, die nur alle drei bis sechs Jahre anstehen. Aber auch eine Vielzahl kleinerer Routinemaßnahmen stehen auf der ToDo-Liste, wie etwa die Inspektion des 2,7-Meter-Primärspiegels oder Software-Updates der elektronischen Steuerungssysteme.


Eine Besonderheit in diesem Jahr ist, dass eines der sechs wissenschaftlichen Instrumente von SOFIA mit nach Hamburg kommen wird. Das deutsche Instrument GREAT (German REceiver for Astronomy at Terahertz Frequencies) wird nach der Landung vom Teleskop abmontiert und zur separaten Wartung und Optimierung an das Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn gebracht.


Corona macht Flugzeugwartung aufwändig


Alle Arbeiten am Flugzeug finden aufgrund der Corona-Epidemie unter strengen Sicherheitsauflagen statt. Sowohl Lufthansa Technik als auch die NASA haben dazu jeweils umfangreiche Prozeduren entwickelt und koordiniert, die für das Arbeiten im und am Flugzeug gelten. Dazu gehört etwa die Auflage, dass sich nicht mehr als 15 Personen gleichzeitig an Bord befinden dürfen, also nur das absolut notwendige Personal Zutritt haben wird.


Aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit aller Beteiligten sind die Arbeiten am Flugzeug selbst größtenteils Routine. "Wir haben 2014 und 2017 bereits eine außergewöhnlich gute Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen des DSI, des DLR und der NASA erlebt und freuen uns, diese nun fortsetzen zu können", so Sven Hatje, verantwortlicher Projektleiter bei Lufthansa Technik für die C-Checks von SOFIA. "Schön, dass wir SOFIA nun wieder bei uns begrüßen dürfen."


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