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Luft- und Raumfahrt in Deutschland: Ideen auf dem DLRK

 

03. Sep 2021 - 00:34 Uhr


Raumfahrt

Luft- und Raumfahrt in Deutschland: Ideen auf dem DLRK

Am ersten Kongresstag des DLRK, dem Plenary Day am 31. August, kamen bereits hochrangige Experten der Luft- und Raumfahrt im Forschungs- und Technologiezentrum ECOMAT in Bremen zusammen, um sich über die aktuellsten Themen der Luft- und Raumfahrt auszutauschen. Insgesamt nahmen rund 800 Luft- und Raumfahrtinteressierte am 70. DLRK teil.


Nach drei reichhaltigen Kongresstagen ging der Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress (DLRK) nun am Donnerstag zu Ende. In diesem Jahr veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DGLR) mit dem DLRK ein hybrides Event: Über eine Online-Kongressplattform konnten die Teilnehmer das Programm von ihren Bildschirmen im Büro oder zu Hause verfolgen und Fragen per Chat stellen. Das wissenschaftliche Vortragsprogramm ging an den folgenden zwei Tagen virtuell weiter.


Luft- und Raumfahrtforscher stehen mit der Corona-Pandemie, dem Klimawandel und einer sich wandelnden Raumfahrt vor großen Herausforderungen. Dabei zeigt sich, wie beide voneinander profitieren und sich gegenseitig ergänzen: "Die Luftfahrt und die Raumfahrt sind in diesem Jahr in besonderem Maße zusammengewachsen", sagte DGLR-Präsident Prof. Rolf Henke in seiner Begrüßungsrede an die DLRK-Teilnehmer. Ein Beispiel dafür sei der Hubschrauber Ingenuity, der am 19. April 2021 erfolgreich den ersten motorisierten, kontrollierten Flug auf dem Mars ausführte.


Insgesamt umfasste das DLRK-Programm mehr als 280 Vortrags- und Posterbeiträge in über 60 themenspezifischen Sitzungen zu den verschiedensten Themen der Luft- und Raumfahrt – von der Simulation von Luftfahrzeugen im Luftverkehrssystem über das Management von Forschungsdaten bis hin zu einem möglichen deutschen Zugang zum Weltraum über eine Offshore-Plattform in der Nordsee.


Luft- und Raumfahrt beweist, wie wichtig sie ist


Auch Bremens Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte begrüßte die DLRK-Teilnehmer aus dem ECOMAT in der Luft- und Raumfahrtstadt Bremen mit ihren mehr als 140 Unternehmen und 20 Instituten mit rund 12.000 Beschäftigten in der Branche. "Fliegen hat uns Menschen schon immer begeistert. Wir sollten diese Begeisterung nutzen, um jetzt einen großen Innovationssprung nach vorne zu machen", sagte er. Eine Veranstaltung wie der DLRK, bei dem die Vertreter der Branche zusammenkommen, sei eine wichtige Gelegenheit, um die Dinge voranzutreiben. "Die Ausrichtung des DLRK war nie wichtiger als heute", so Bovenschulte.


Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Bedeutung der Branche: Bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz lieferte das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wichtige Daten für die Hilfskräfte, zum Beispiel zur Befahrbarkeit von Straßen. Für seine herausragenden Leistungen in der Nutzung von Erdbeobachtungsdaten zur weltweiten Unterstützung des Krisenmanagements nach Naturkatastrophen und in der humanitären Hilfe wurde das ZKI im Rahmen des DLRK mit der Ehrennadel der Deutschen Raumfahrt der DGLR auszeichnet.


Strom als Treibstoff: Elektrisches Fliegen wird kommen


"Auch durch Rettungshubschrauber, Informationen von Wettersatelliten und Drohnen, die Inspektionen an Häusern und Brücken vornahmen, ist die Luft- und Raumfahrt während der Flutkatastrophe ihrem Dienst für die Gesellschaft nachgekommen. Luft- und Raumfahrt sind eben auch strategische Elemente eines Staates, die im Bereich Sicherheit, Mobilität und Versorgung unverzichtbar sind", sagte Prof. Rolf Henke.


Gerade im Hinblick auf Klimaschutz und Nachhaltigkeit könne die Luft- und Raumfahrt einen wichtigen Beitrag leisten. Von der Politik forderte Henke dazu eine andere Herangehensweise: "Anstatt sich öffentlich beim Aussprechen von künftigen Verboten zu überbieten, sollte die Politik die Wirkung bezüglich Emissionen und Lärm einfordern – damit kann die umweltfreundliche Mobilität gelingen und damit kann auch deutsche Technologie wieder einen Vorsprung in der Welt erlangen", so Henke.


Mit der Corona-Pandemie hatte vor allem die Luftfahrt zu kämpfen. Das betonte der Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, in seinen Begrüßungsworten: "Ich glaube aber, dass wir mit einem blauen Auge davon gekommen sind", sagte er im Hinblick auf die Krise. Um jetzt erfolgreich in eine nachhaltige Zukunft zu starten und die Klimaziele zu erreichen, müsse jetzt vor allem das elektrische Fliegen stärker vorangetrieben werden. "Das elektrische Fliegen kommt auf jeden Fall", sagte Jarzombek. "Die Frage ist nur: werden Anbieter aus den USA oder China die Nase vorn haben oder schaffen wir es in Europa, vor die erste Welle zu kommen?" Dafür müsse viel stärker über Mechanismen wie Innovationsprämien aber auch steuerliche Aspekte diskutiert werden. Sein persönliches Ziel sei es, spätestens ab 2030 ein Regionalflugzeug auf die Beine zu stellen, das hybrid-elektrisch mit Wasserstoff angetrieben fliegen kann.


e-Genius beeindruckt als Motorsegler


Mit dem elektrisch angetriebenen Flugzeug e-Genius hat ein Team vom Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart (IFB) bereits wesentlich dazu beigetragen, die Entwicklung elektrisch betriebener Flugzeuge voranzubringen. Dafür zeichnete die DGLR das Team unter der Leitung von Prof. Rudolf Voit-Nitschmann im Rahmen des DLRK mit der Ehrennadel der Deutschen Luftfahrt aus. Mit dem zweisitzigen Reisemotorsegler e-Genius gelangen zahlreiche Rekordflüge, darunter die erste Alpenüberquerung eines Elektroflugzeugs Nord-Süd-Nord an einem Tag.


"Das Design des e-Genius, sein Bau und die hervorragenden Flugtests sind ein Meilenstein auf dem Weg zur emissionsfreien Luftfahrt", so Henke, der die Auszeichnung überreichte. Bei der Verleihung der Ehrungen im Rahmen des DLRK war auch die Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa der Freien Hansestadt Bremen, Kristina Vogt, im ECOMAT anwesend und beglückwünschte die Geehrten.


Klimaschutz durch optimierte Flugrouten


Das Motto des diesjährigen Kongresses, "Luft- und Raumfahrt – Visionen für eine nachhaltige Zukunft", sei aktueller denn je, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), Dirk Hoke, in seiner Begrüßung an die DLRK-Teilnehmer. Aus Visionen seien bereits heute wegwesende Innovationen geworden: "Unsere Flugzeuge, Triebwerke, Antriebe und Ausrüstungen ‚Made in Germany‘ sind zu Markterfolgen auf der ganzen Welt geworden – mit unverzichtbaren Abstrahleffekten auf andere Branchen", so Hoke.


Wie die Luftfahrtforschung dazu beitragen kann, Klimaziele zu erreichen, diskutierten die Experten beim DLRK, darunter Prof. Dr. Christiane Voigt, Leiterin der Abteilung Wolkenphysik am Institut für Physik der Atmosphäre des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Sie erklärte, dass beispielsweise mit einer Reduzierung von Kondensstreifen das Potenzial bestehe, die Klimawirkung im Luftverkehr zu halbieren, etwa durch effiziente Flugrouten. "Dafür müssen jetzt Anreize geschaffen werden", forderte sie beim DLRK. Schon heute leistet auch die Raumfahrt wichtige Beiträge zum Klimaschutz. "Aus dem Weltraum heraus können wir uns ein Bild vom Zustand der Erde machen", erklärte Nicolaus Hanowski, Leiter des EO Mission Departments der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Dabei fallen riesige Datenmengen an – und die Daten werden immer mehr. Ein gutes Datenmanagement sei daher essenziell, so Hanowski.


Forschen und Entwickeln: Es braucht Prototypen


In der Diskussion um eine neue Luftfahrtvision für Europa schlug DGLR-Präsident Henke eine neue Herangehensweise im Bereich Forschung und Entwicklung vor: "Wir brauchen einen radikalen Wechsel in der Vorgehensweise: Wir müssen an große fliegende Demonstratoren herangehen, die weniger kleinere Modifikationen an vorhandenen Flugzeugen beinhalten, sondern eher in Richtung Prototypen gehen. Und wir müssen die notwendige Förderung überdenken, vermutlich mit den USA zusammen: der Stopp der öffentlichen Förderung bei der reinen Machbarkeit geht nicht weit genug. Hier müssen wir einen Schritt weitergehen in Richtung Prototyp, ohne, dass es einer wird", so Henke.


In den Diskussionen wurde auch deutlich, dass die Luftfahrt und die Raumfahrt voneinander lernen können – zum Beispiel beim Thema Wasserstoff. Nicole Dreyer-Langlet, Geschäftsführerin und Research & Technology Repräsentantin der Airbus Operations GmbH, erläuterte, wie Airbus Wasserstoff nutzen möchte, um im Rahmen seines ZEROe-Programms zukünftig möglichst emissionsfrei fliegen zu können. In der Raumfahrt wird Wasserstoff schon seit Jahrzehnten eingesetzt. Von diesen Erfahrungen könne auch die Luftfahrt profitieren, waren sich die Experten einig. Auch andere Branchen wie die Schifffahrt könnten von den Erkenntnissen aus der Luft- und Raumfahrtbranche lernen. Wichtig sei dafür ein stärkerer Austausch unter den Branchen, wie der CEO von OHB, Marco Fuchs, betonte.


Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern


Die DGLR sei ein wichtiges Netzwerk, um die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung zu intensivieren. Auch die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses spiele dabei eine entscheidende Rolle. "Mit ihren regionalen Bezirksgruppen leistet die DGLR einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung und zur Gewinnung von jungen Menschen für die Branche", sagte beispielsweise Arndt Schoenemann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Flugsicherung. Beim DLRK organisierte der Junge Senat der DGLR zum Beispiel eine Sitzung speziell für Schülerinnen und Schüler ab der neunten Klasse, in denen aktuelle Themen und Berufsfelder der Luft- und Raumfahrt vorgestellt wurden. Die Schülerinnen und Schüler hatten hier die Gelegenheit, ihre Fragen an die Experten zu stellen und sich über Wege in die Luft- und Raumfahrtbranche zu informieren.


In den Plenarvorträgen konnten einige Themen besonders intensiv besprochen werden. So stellte zum Beispiel Claus Riegler, Leiter Technologie und Vorauslegung bei der MTU Aero Engines AG, in seinem Plenarvortrag alternative Antriebe für eine klimaneutrale Luftfahrt vor. Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech, blickte auf die aktuellen Ziele der Raumfahrt, die zum Beispiel mit dem Lunar Gateway eine Raumstation für einen leichteren Zugang zur Mondoberfläche ermöglichen will.


DLRK 2021 in Dresden


Der ehemalige Astronaut Dr. Thomas Reiter hatte spannende Details zur anstehenden Mission "Cosmic Kiss" des deutschen ESA-Astronauten Dr. Matthias Maurer dabei, der im Herbst zur Internationalen Raumstation ISS aufbricht. In einem Video-Grußwort schaltete sich Maurer ebenfalls zum DLRK dazu. Das gesamte Programm steht den DLRK-Teilnehmern noch bis zum 30. November 2021 in einer Mediathek zur Verfügung. 2022 findet der DLRK vom 27. bis 29. September in Dresden statt. Dann hofft die DGLR, alle Kongressteilnehmer wieder vor Ort begrüßen zu dürfen.


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