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Wach-ECMO-Patient im Hubschrauber der HDM Luftrettung

 

07. Aug 2013 - 14:22 Uhr


General Aviation

Die Besatzung des Nürnberger Intensivtransporthubschraubers der HDM Luftrettung "Christoph Nürnberg" ist am 09. Juli mit einer junge Frau mit einer künstlichen Lunge im Einsatz gewesen. Die Patientin musste von der Universitätsklinik Würzburg nach Rheinland-Pfalz transportiert werden. Das Besondere: Trotz künstlicher Lunge war die Patientin während des Fluges bei Bewusstsein (sogenannte "Wach-ECMO") und lediglich leicht sediert, um ihr die Angst vor dem Transport zu nehmen.

Die junge Frau aus den U.S.A. befand sich wegen einer schweren Lungeninfektion schon mehrere Wochen zuvor in einer deutschen Spezialklinik in Behandlung. Aufgrund eines Lungenversagens wurde sie zwei Wochen vor dem Transport durch das ECMO-Team der anästhesiologischen Klinik der Universitätsklinik Würzburg an eine künstliche Lunge (ECMO - Extrakorporale Membranoxygenierung) angeschlossen und in die Universitätsklinik übernommen

Da die Patientin nach Möglichkeit zeitnah eine Lungentransplantation erhalten sollte, wurde beschlossen, sie in die U.S.A. zu repatriieren. Dort ist die Verfügbarkeit von Spenderorganen deutlich größer als in Deutschland. Aufgrund der engen Zusammenarbeit des ECMO-Teams der Universitätsklinik Würzburg mit dem am Nürnberger Flughafen stationierten Hubschrauber der HDM Luftrettung wurde dieser für den Spezialtransport am 09. Juli angefordert.

ECMO-Transport im Hubschrauber vermeidet Nachteile

Die Nürnberger Hubschrauberbesatzung hatte an diesem Tag ein Kind nach Würzburg transportiert und konnte so schnell bei der ECMO-Patientin sein. Nach Klärung der medizinischen Details und Übernahme der jungen Frau mit Unterstützung der Ärzte vor Ort, startete "Christoph Nürnberg" um 16:41 Uhr und nahm Kurs auf die rheinland-pfälzische Zielklinik. Der Flug an Bord des Hubschraubers wurde von einem Anästhesisten des Würzburger ECMO-Teams unter der Leitung von Dr. Ralf Michael Muellenbach begleitet.

"Gemeinsam mit dem Nürnberger Team der HDM Luftrettung führen wir schon seit einigen Jahren ECMO-Transporte durch – Tendenz steigend. Hierbei handelt es sich um eine sehr anspruchsvolle intensivmedizinische Technik, bei der das Blut des Patienten außerhalb des Körpers über eine künstliche Membran mit Sauerstoff angereichert und das Kohlendioxid eliminiert wird. Zum ersten Mal haben wir eine Patientin, die an eine künstliche Lunge angeschlossen ist, in ‚wachem‘ Zustand transportiert. Die sogenannte ‚Wach-ECMO‘ hat den Vorteil, dass eine schädigende Beatmung sowie die nachteiligen Effekte einer längerfristigen tiefen Narkose, wie beispielsweise der Verlust von Muskelkraft, vor einer Lungentransplantation vermieden werden. So werden diese Patienten auf der Intensivstation an der künstlichen Lunge aus dem Bett mobilisiert, um die Muskulatur zu stärken und zu trainieren", erläutert Dr. Ralf Michael Muellenbach.

Um 17:30 Uhr erfolgte die Landung an der Zielklinik, wo die Patientin in stabilem Zustand an die dortigen Ärzte übergeben wurde. Der Transport in ein spezielles ECMO-Zentrum in San Antonio, U.S.A., erfolgte bereits wenige Stunden später mit dem Flugzeug.

High-Tech-Ausstattung der DRF Luftrettungs-Hubschrauber

"Die Hubschrauber der DRF Luftrettung können aufgrund ihrer Schnelligkeit auch entfernte Kliniken in kurzer Zeit erreichen. Christoph Nürnberg ist als mobile Intensivstation mit modernsten medizinischen Geräten ausgestattet. Mehrere Hundert Intensivtransporte werden pro Jahr durchgeführt. Außerdem können aufgrund der Hubschraubergröße auch problemlos zusätzliche medizintechnische Geräte und Systeme, die beispielsweise zur Durchführung von ECMO- oder Inkubatortransporten benötigt werden, ebenso wie zusätzliche Fachärzte, an Bord genommen werden", erläutert Dr. Jörg Braun, Ärztlicher Leiter der DRF Luftrettung.

HDM und DRF Luftrettung

Die HDM Luftrettung gGmbH, die sich durch ihre Kompetenz in den Bereichen Intensivtransport und Luftrettung bei Nacht auszeichnet, ist Teil der DRF Luftrettung. Die DRF Luftrettung setzt an 31 Stationen in Deutschland, Österreich und Dänemark Hubschrauber für die Notfallrettung und für dringende Transporte von Intensivpatienten zwischen Kliniken ein, an acht Stationen sogar rund um die Uhr. Insgesamt hat die DRF Luftrettung seit Aufnahme des Einsatzbetriebs vor 40 Jahren bereits über 700.000 Rettungseinsätze geleistet.

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