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Schwarm-Satelliten auf dem Weg zum russischen Startplatz

 

23. Sep 2013 - 02:40 Uhr


Raumfahrt

Schwarm-Satelliten auf dem Weg zum russischen Startplatz

Der erste von Astrium gebaute Swarm-Forschungssatellit ist auf dem Weg zum Startplatz Plesetsk. Vom Münchner Flughafen startete eine Iljuschin-76 in Richtung Russland. In Zwei-Tages-Abständen werden die beiden anderen Satelliten und weitere Test- und Montageausrüstung, insgesamt 63 Tonnen Fracht, folgen.

Das Satellitentrio soll im November 2013 von Plesetsk aus (ca. 800 km nordöstlich von Moskau) mit nur einer einzigen Rockot-Trägerrakete gestartet werden.

Das Raumfahrtunternehmen Astrium ist Hauptauftragnehmer für die Swarm-Weltraummission der europäischen Weltraumorganisation ESA. Die Swarm-Mission (englisch für Schwarm) soll das Erdmagnetfeld und seine Entwicklung mit bisher unerreichter Genauigkeit untersuchen. Die Erkenntnisse werden unser Verständnis des Erdinnern und seiner Wechselwirkung mit dem Weltraum verbessern. Die drei identischen Swarm-Satelliten sollen in eine polare Umlaufbahn in 490 Kilometern Höhe gestartet werden und von dort aus die bislang genaueste Vermessung des Erdmagnetfeldes und seiner Veränderungen vornehmen.

Magnetfeld, Schwerefeld und elektrische Feldstärke

Die Swarm-Mission wird dabei indirekt Jules Vernes` Reise zum Mittelpunkt der Erde nachvollziehen. Um neue Einblicke in die Zusammensetzung und die Prozesse im Erdinneren zu erhalten, braucht man heute jedoch nicht immer zu graben oder zu bohren. Man muss vielmehr in eine Erdumlaufbahn fliegen. Das Zauberwort heißt Satellitenfernerkundung. Direkte Einblicke in das Erdinnere vermitteln das Schwere- und Magnetfeld der Erde, deren orts- und zeitabhängige Variationen mit dynamischen Vorgängen im Erdkern in Verbindung gebracht werden.

Sehr präzise und hochauflösende Messungen von Stärke, Ausrichtung und Schwankungen des Erdmagnetfelds, ergänzt durch präzise Navigation, Beschleunigungsmessungen und Messungen der elektrischen Feldstärke, liefern die notwendigen Beobachtungsdaten, um verschiedene Quellen des Erdmagnetfelds unterscheiden und in Modellen erklären zu können.

Erfahrung bei Technik – Bessere Navigationssysteme

Die Beobachtung aus dem Weltraum liefert einen einzigartigen Einblick in die Zusammensetzung und die Prozesse im Inneren der Erde. Außerdem ermöglicht die Mission Analysen des Einflusses der Sonne auf das System Erde. Die immer bessere Kenntnis des Magnetfelds hat aber auch einen ganz praktischen Nutzen. Erwartet werden vor allem eine zukünftig sehr viel genauere Navigation von Schiffen und Flugzeugen, Entdeckung und Zugang neuer Ressourcen im Erdinneren, eine bessere Vorhersage des Weltraumwetters und eine rechtzeitige Warnung vor Strahlengefahren.

Bereits Ende der Siebziger Jahre entwickelte Astrium mit ISEE-B einen Satelliten zur Magnetfeldforschung im erdfernen Raum. Fortsetzung fand dies in der aus vier Satelliten bestehenden Cluster-Formation, die seit 2000 im Weltall arbeitet. Im erdnahen Bereich wurde der deutsche Satellit Champ (Start: 2000-2010) nach einem Design von Astrium realisiert. Diese Mission erfährt jetzt mit der Swarm-Konstellation eine logische Fortsetzung.

Auch technisch gesehen hat Swarm mit Champ wie auch mit dem Eisforschungssatelliten Cryosat – ebenfalls unter Astriums Verantwortung realisiert – direkte Vorgänger. So können die Satellitenbauer der Astrium beispielsweise bei der Systemauslegung, bei bestimmten Subsystemen sowie bei Testanlagen und -verfahren auf Erfahrungen aus diesen beiden Projekten zurückgreifen.

Satelliten fürs ESA-Erdbeobachtungsprogramm "Living Planet"

Swarm ist die "Drei-Satelliten-Mission" im ESA-Programm "Living Planet". Die Mission wird das Magnetfeld der Erde erforschen. Swarm wurde unter der industriellen Führung von Astrium in Friedrichshafen entwickelt und gebaut. Astrium ist auch an der Entwicklung anderer Satelliten der so genannten Earth Explorer-Reihe beteiligt. Astrium ist der Hauptauftragnehmer für den gerade im Bau befindlichen EarthCARE und für die "Wind"-Mission ADM-Aeolus mit ihrem Aladin Instrument.

Weiterhin baute Astrium den Eisforschungssatelliten Cryosat-2, der am 08. April 2010 erfolgreich gestartet wurde. Astrium lieferte auch die Plattform für GOCE, der seit dem 17. März 2009 erfolgreich durch das Schwerefeld der Erde "surft" und Messungen vornimmt. Für die "Wasser"-Mission SMOS entwickelte und baute Astrium die Nutzlast Miras. Smos wurde am 02. November 2009 gestartet.

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