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Ultraleichtflugzeug: Absturz neben Unwetter

 

18. Jan 2015 - 16:12 Uhr


Flugsicherheit

Ultraleichtflugzeug: Absturz neben Unwetter

Am Unfalltag traf sich der Pilot des Ultraleichtflugzeuges (UL) mit einem Fluglehrer am Flugplatz Gießen-Lützellinden. Geplant war ein gemeinsamer Überlandflug. Um 12:15 Uhr erfolgte der Abflug zum Flugplatz Pirmasens (EDRP).

Identifikation

Art des Ereignisses: Unfall

Datum: 11. September 2014

Ort: Schweighofen

Luftfahrzeug: Ultraleichtflugzeug

Hersteller / Muster: Comco Ikarus GmbH / C 42 C

Personenschaden: Pilot und Fluggast tödlich verletzt

Sachschaden: Luftfahrzeug zerstört

Drittschaden: Flurschaden

Ereignisse und weiterer Flugverlauf

Die Landung in Pirmasens war um 13:37 Uhr. Nach Angaben der Flugleitung wurde um 14:15 Uhr wieder gestartet mit dem Flugziel Gießen-Lützellinden. Laut Radardaten flog das UL aus der Platzrunde heraus in Richtung Nordosten und änderte um 14:17 Uhr den Kurs nach Osten und um 14:19 Uhr flog es in südöstliche Richtung. Laut Radaraufzeichnung lag die Flughöhe im Bereich zwischen 2.300 ft und 2.500 ft AMSL. Um 14:30 Uhr erfolgte etwa querab der Ortschaft Bobenthal ein Kurswechsel in östliche Flugrichtung.

Um 14:32 Uhr wurde auf Ostkurs die Flughöhe reduziert, wobei der Flugplatz Schweighofen nördlich passiert wurde. Querab des Flugplatzes betrug die Flughöhe 1.200 ft. Um 14:35 Uhr wurde eine Richtungsänderung nach Süden mit weiterem Sinken eingeleitet. Um 14:36:37 Uhr befand sich das UL im Endteil der Piste 26 des Flugplatzes Schweighofen. Die Radarerfassung endete um 14:36:47 Uhr.

Zur Unfallzeit sah ein Zeuge das UL in ca. 1.000 ft aus nordnordöstlicher Richtung kommend im Sinkflug auf den Endteil des Flugplatzes Schweighofen. Der Anflug und das Motorgeräusch seien unauffällig und normal gewesen. Der Unfall wurde nicht beobachtet. Vor dem Anflug befand sich eine dunkle Wolke aus Nordnordosten nach Südsüdwesten ziehend mit Starkregen und Windböen im Bereich von Schweighofen. Während des beobachteten Anfluges sei der Wind gering gewesen.

Eine Zeugin sah das UL nahezu senkrecht zu Boden fallen. An der linken Seite bemerkte sie ein Objekt, welches sie als einen sich öffnenden Fallschirm beschrieb. Kurze Zeit darauf verschwand das UL hinter Bäumen, gefolgt von einem Knall. Anschließend sah sie eine schwarze Rauchwolke aufsteigen. Ein im Auto aus Frankreich kommender Zeuge berichtete von starken Regenschauern. In der Nähe des Flugplatzes Schweighofen entdeckte er das brennende Wrack des Ultraleichtflugzeuges auf einem Acker liegend.

Das UL war auf ein abgeerntetes Feld geprallt und in Brand geraten. Die Insassen erlitten tödliche Verletzungen. Das Titelbild zeigt die Unfallstelle.

Angaben zu Personen

Der links sitzende 59-jährige Pilot des Ultraleichtflugzeuges war im Besitz eines bis zum 21.03.2016 gültigen Luftfahrerscheins für Luftsportgeräteführer, ausgestellt am 12.12.2005 vom Luftsportgeräte-Büro des Deutschen Aero Club e.V. (DAeC). Das Tauglichkeitszeugnis Klasse 2 war bis zum 03.03.2015 gültig. Seine Gesamtflugerfahrung betrug 281 Stunden.

Der rechts sitzende 46-jährige Ultraleichtflugzeugführer war im Besitz eines bis zum 30.04.2015 gültigen Luftfahrerscheins für Luftsportgeräteführer, ausgestellt am 30.04.2005 vom Deutschen Ultraleichtflugverband e.V. (DULV) mit Lehrberechtigung für aerodynamisch gesteuerte UL, gültig bis 27.04.2016.

Angaben zum Luftfahrzeug

Das Muster C 42 C ist ein doppelsitziges, aerodynamisch gesteuertes Ultraleichtflugzeug mit festem Bugradfahrwerk. Der Schulterdecker verfügt über eine geschlossene Kabine und nebeneinander angeordnete Sitze.

  • Hersteller: Comco Ikarus GmbH
  • Muster: C 42 C
  • Werknummer: 1403-7288
  • Baujahr: 2014
  • MTOW: 472,5 kg
  • Gesamtflugzeit: 208 Stunden
  • Triebwerk: Rotax 912 UL
  • Werknummer: 6.782.544
  • Betriebszeit: 208 Stunden
  • Rettungssystem: Magnum HSSP 450 Speed

Bei der Stückprüfung des Ultraleichtflugzeuges am 24.02.2014 wurde die Leermasse mit 286,5 kg angegeben. Das UL war mit einem hinter den Sitzen eingebauten 65 Liter fassenden Kraftstofftank ausgestattet. Die 200-Stunden-Kontrolle wurde am 08.09.2014 durchgeführt. Danach wurden ca. neun Stunden mit dem UL geflogen. Die Wartung wurde durch den Werftbetrieb des Halters durchgeführt.

Meteorologische Informationen

Nach Zeugenaussagen herrschten zur Unfallzeit Starkregen und böiger Wind. Während des Anfluges wurde kein Niederschlag beobachtet. Zeugen berichteten von dunklen bis schwarzen Wolken nördlich des Unfallortes, die sich nach Süden hin ausbreiteten.

Nach Auskunft des Deutschen Wetterdienstes (DWD) befanden sich zum Startzeitpunkt in Pirmasens auf der Flugstrecke nach Gießen heftige Regen und Schauergebiete, die sich weiter in Richtung Karlsruhe ausweiteten. Die von Zeugen beschriebenen dunklen Wolken decken sich mit den Meldungen des DWD.

Stationswettermeldungen

Rheinstetten 1200 UTC 12001KT 12 km –RA 4/8 022 6/8 060 17/11 QFF 1016=

Die Wetterstation Neustadt Weinstraße meldete um 12:00 UTC Wind aus 340 Grad mit 14 Knoten und Böen mit 21 Knoten mit starkem Regen. Die Sicht betrug neun km und die Bewölkung betrug 7/8 in 1.000 Fuß. Beide Stationen meldeten Regen (RA) oder Starkregen (XXRA) in deren Bereich. Zeugen sahen zur Unfallzeit dunkle, schwarze Wolken in das Unfallgebiet ziehen, aus denen erste Regentropfen fielen und Windböen setzten ein.

Bild 2 zeigt das Wetterradarbild zur Startzeit, Bild 3 zeigt das Wetterradarbild zur Unfallzeit (Quelle: beide DWD). Die Bilder des Regenradars zeigen die Ausbreitung von Regen und Starkregen zur Start- und Unfallzeit. Der Startflugplatz ist gelb und der Unfallort rot markiert.

Funkverkehr

Es bestand keine Sprechfunkverbindung zwischen der Flugleitung und dem Piloten.

Angaben zum Flugplatz

Der Sonderlandeplatz Schweighofen (EDRO) befindet sich 0,5 nautische Meilen (NM) südwestlich von Schweighofen an der Grenze zu Frankreich. Der Sonderlandplatz liegt in einer Höhe von 492 ft AMSL und verfügt über eine 620 m lange und 30 m breite Grasbahn mit der Ausrichtung 12/30.

Flugdatenaufzeichnung

Das Ultraleichtflugzeug war mit einem Navigationsgerät GPSMap Garmin 96 sowie mit einem Think Navi T7 GPS ausgestattet. Die Flugwegdaten wurden nicht gespeichert.

Der BFU standen Radardaten der Flugsicherungsorganisation zur Auswertung zur Verfügung.

Unfallstelle und Feststellungen am Luftfahrzeug

Die Unfallstelle befand sich auf einem abgeernteten Acker westlich des Sonderplatzes Schweighofen. Das Wrack lag ca. 600 Meter westlich der Flugplatzgrenze. Spuren der ersten Bodenberührung befanden sich 25 Meter nördlich des Wracks. In diesem Bereich lagen das Bugrad, Teile der Motorverkleidung und Türverkleidungsteile auf dem Boden. Im Bereich der ersten Bodenberührung war der Boden auf einer ca. sechs mal vier Meter großen Fläche verbrannt. Die Brandspur verlief s-förmig zur Endlage des Wracks.

Bild 4 zeigt Unfallstelle (Quelle: Polizei). Das Ultraleichtflugzeug lag ausgebrannt auf dem Boden. Die Tragflächenbespannung war im Außenbereich bis zur Höhe der Querruder erhalten. Die Rumpfsektion hinter dem Tank bis zum Leitwerk war an den Seiten verformt und der Rumpfrücken war geschmolzen.

Die Steuerung war durch den Brand und Aufprall auf den Boden beschädigt. In ihrer Funktion war sie bis zu den Bruchstellen bzw. Brandeinwirkungsstellen nachvollziehbar.

Die Fallschirmkappe des Rettungssystems lag ca. 30 m südwestlich des Wracks. Die Tragegurte waren im Bereich der Zellenanbringung verbrannt. Der Deckel der Ausschussöffnung lag 64,5 m südlich der Fallschirmkappe.

Medizinische und pathologische Angaben

Beide Leichname wurden am Institut für Rechtsmedizin in Mainz obduziert. Hierbei wurde festgestellt, dass beide Insassen aufgrund der beim Aufprall erlittenen Verletzungen verstorben waren. Es wurden keine Hinweise auf bestehende Erkrankungen festgestellt, die zu einer Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit geführt hätten.

Brand

Nach dem Aufprall auf den Boden entstand ein Brand, der durch die Feuerwehr gelöscht wurde.

Die Unfall-Untersuchung durch die BFU wurde in Übereinstimmung mit dem Gesetz über die Untersuchung von Unfällen und Störungen beim Betrieb ziviler Luftfahrzeuge (Flugunfall-Untersuchungs-Gesetz – FlUUG) vom 26. August 1998 durchgeführt. Danach ist das alleinige Ziel der Untersuchung die Verhütung künftiger Unfälle und Störungen.

Die Untersuchung dient nicht der Feststellung des Verschuldens, der Haftung oder von Ansprüchen.

Alle angegebenen Zeiten, soweit nicht anders bezeichnet, in Ortszeit. Quelle und Bilder, sofern nicht anders angegeben, BFU.

Fotogalerie

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