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LPV Anflüge als günstige Alternative zu ILS

 

18. Sep 2015 - 22:13 Uhr


General Aviation

LPV Anflüge als günstige Alternative zu ILS

Mit neuen Anflugverfahren, sogenannten LPV-Verfahren (Localizer Performance with Vertical Guidance), entsteht eine kostengünstige Alternative zu ILS-Systemen, die nicht nur auf Flughäfen, sondern auch auf größeren Flugplätzen zum Einsatz kommen könnte.

Grundlage für die Entwicklung dieser innovativen LPV Anflugverfahren ist SBAS (Satellite Based Augmentation System). Dabei handelt es sich um satellitenbasierte Ergänzungssysteme, die vorhandene Satellitennavigationssysteme insbesondere GPS oder allgemein GNSS unterstützen. EGNOS (European Geostationary Navigation Overlay Service), das europäische SBAS-System, steigert regional begrenzt die Positionsgenauigkeit von GPS von zehn bis 20 Metern auf ein bis drei Meter und kann somit erheblich zur Sicherheitssteigerung beitragen.

Mittels SBAS wird es künftig möglich sein, Anflugverfahren ähnlich dem ILS-Verfahren zu implementieren, ohne auf bodenseitige Infrastruktur angewiesen zu sein. Dieser LPV (Localizer Performance with Vertical Guidance) genannte Verfahrenstyp soll das Sicherheitsniveau sowohl auf Airports ohne ILS, als auch in der General Aviation maßgeblich erhöhen.


Folgende LPV Verfahren werden unterschieden:


  • LPV (Localizer Performance with Vertical Guidance): Anflugverfahren mit SBAS-Technologie mit einer Entscheidungshöhe von bis zu 250ft über Grund.
  • LPV 200: Das ist die neueste Form von LPVs, die bei gegebener Hindernislage bis zu einer Entscheidungshöhe von 200ft veröffentlicht werden können – also gleichwertig zu einem ILS CAT I, allerdings ohne erforderlicher Bodeninfrastruktur.
  • LP (Localizer Performance ohne vertikaler Führung), kommt zum Einsatz, wenn Topographie und komplexe Terrainsituation rund um den Airport keine Vertical Guidance zulassen; z. B. LOWI.

Alternative für die General Aviation


Das von Austro Control zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der slowakischen Flugsicherung LPS ins Leben gerufene Projekt IMPROWE (IMPlementing RNP APCH Operations With EGNOS) wird sich mit der Implementierung von SBAS-gestützten Anflugverfahren befassen. Bei diesem von der EU geförderten Projekt geht es für Austro Control um das Design und die Implementierung von insgesamt vier LPV-Verfahren in Österreich: Zwei LPVs in LOWW (RWY 16/34), ein LP in LOWI und ein weiteres Verfahren in LOWW als LPV200. Derzeit sind bereits die Flughäfen Linz und Graz mit entsprechenden SBAS/LPV- Anflugverfahren ausgestattet. Die weitere Umsetzung soll bis Ende 2016/Anfang 2017 vollendet sein.


Zusätzlich zu bestehenden ILS-Verfahren wird damit der Einstieg in eine kostengünstige Alternative vollzogen, die ILS-Verfahren keineswegs verdrängen, wohl aber um eine insbesondere für die Allgemeine Luftfahrt interessante Anflugsvariante mit Höhenführung ergänzen soll. Austro Control hat bei der Entwicklung dieser Verfahren europaweit eine Vorreiterrolle.


CAT-I-Anflüge ohne ILS-Station


Im Rahmen des IMPROWE-Programm bietet sich damit die Möglichkeit, bei entsprechender Infrastruktur am Flughafen oder Flugplatz CAT-I-Anflüge zu designen, ohne am Boden eine ILS-Station zu haben. Die Nutzung dieser neuen Verfahren wird insbesondere durch den vermehrten Einsatz moderner Avionik-Systeme speziell im Bereich der General Aviation möglich. Während SBAS-Equipment bei den Airlinern kaum im Einsatz ist, kann es in der General Aviation durchaus rasch Verbreitung finden. Gängige Geräte wie beispielsweise das Garmin 430 sind bereits LPV-kompatibel. Damit wären von der Flugzeugseite aus derartige Anflüge bereits möglich.


Eine Voraussetzung für die Implementierung von LPV-Anflügen ist derzeit gemäß EASA-Vorschriften noch eine vorhandene IFR-Piste mit entsprechender Befeuerung. Die Herstellung eines IFR-Standards ist gerade für kleinere Plätze jedoch ziemlich aufwändig und teuer. Deshalb gibt es von Großbritannien ausgehend Bestrebungen, das neue Anflugverfahren auch dort zu genehmigen, wo es keine IFR-Piste gibt. Im Hintergrund steht die Überlegung, dass dies noch immer einen höheren Sicherheitsgrad brächte als die derzeit veröffentlichten Verfahren.


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