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Hausdurchsuchung bei Piloten der Ryanair

 

11. Jul 2016 - 21:20 Uhr


Info und News

In der vergangenen Woche kam es in Deutschland zu mehreren Hausdurchsuchungen bei Piloten der Fluggesellschaft Ryanair. Da diese Durchsuchungen durch die "Finanzkontrolle Scheinselbständigkeit" (FKS) durchgeführt wurden, ist laut Vereinigung Cockpit (VC) davon auszugehen, dass die Strafverfolgungsbehörden bei den Anstellungskonstrukten dieser Piloten mit zwischengeschalteten Leiharbeitsfirmen von Scheinselbständigkeit und damit Schwarzarbeit ausgehen. Die VC fordert die Ryanair auf, diese zwielichtigen Geschäftspraktiken sofort zu beenden und ihre Piloten als Mitarbeiter direkt einzustellen. Preiskriege dürfen nicht länger auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden, erst recht nicht in solchen sicherheitsrelevanten Umfeldern wie dem Luftverkehr.


In Deutschland sind geschätzt mehr als zehn Prozent aller Piloten arbeitslos. Diese Situation nutzen Unternehmen wie Ryanair als einer der Vorreiter in dieser Hinsicht aus, um Piloten in atypische Arbeitsverhältnisse zu bringen. So ergab eine wissenschaftliche Studie der Universität Gent, dass derzeit bereits 16 Prozent aller Piloten in prekären Beschäftigungsverhältnissen arbeiten müssen. Tendenz steigend. Teilweise werden die Piloten nur angenommen, wenn sie als so genannte "Contractor" bereit sind, ohne jede Absicherung, z. B. bei Urlaub und Krankheit, eingesetzt zu werden, nachdem diese Piloten 30.000 Euro Ausbildungskosten an das Unternehmen gezahlt haben und sich zudem verpflichten, 5.000 Euro Strafe zu zahlen, wenn sie innerhalb von drei Monaten ihre Tätigkeit für Ryanair beenden.


Ryanair und Partnerunternehmen


Da die Hausdurchsuchungen in der letzten Woche von der FKS durchgeführt wurden, ist davon auszugehen, dass die Strafverfolgungsbehörden bei diesen Konstrukten mit zwischengeschalteten Leiharbeitsfirmen von Scheinselbständigkeit und damit Schwarzarbeit ausgehen. "Es mutet wie Hohn bei den Piloten der Ryanair an, wenn sich Ryanair nunmehr darauf beruft von den Durchsuchungen seien nur Partnerunternehmen betroffen, das Unternehmen hätte schon immer von den Piloten erwartet, sich entsprechend der steuerlichen Pflichten zu verhalten", so Markus Wahl, Sprecher der Vereinigung Cockpit.


Die Piloten sind das schwächste Glied in der Kette. Die VC fordert Ryanair auf, ihre Geschäftspraktiken mit den in den Fokus des Zolls geratenen zwielichtigen Personalverleihern wie Brookfield und McGinley sofort einzustellen und wie alle seriösen Fluggesellschaften Piloten als ihre Arbeitnehmer direkt einzustellen sowie eine Sozialpartnerschaft mit den jeweiligen Gewerkschaften unter dem Dach des europäischen Pilotenverbandes ECA zu etablieren.


Gewerkschaften sollen akzeptiert werden


"Die VC fordert, dass bei Ryanair endlich marktübliche Arbeitsbedingungen für ihre Arbeitnehmer gewährleistet werden, die auch im Krankheitsfalle ein geregeltes Grundeinkommen garantieren und Praktiken wie unfreiwillige Versetzungen quer durch Europa unterbinden. Lowcost-Airlines müssen wie alle anderen Airlines auch Gewerkschaften akzeptieren und mit ihnen in faire Verhandlungen eintreten. Die Preiskriege dürfen nicht länger auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen werden, erst recht nicht in sicherheitsrelevanten Umfeldern wie dem Luftverkehr", so Martin Locher, Vizepräsident der Vereinigung Cockpit.


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